
Tal, Gut, Blender
Region & Geschichte
Wer zur Appleton Estate fährt, landet im Südwesten Jamaikas, im Nassau Valley des Parish St. Elizabeth. Rund um das Tal steigen Hügel aus Kalkstein auf, auf dem Talboden stehen Zuckerrohr und das Brennhaus mit seinem Schornstein. Der Hauptort des Parish, Black River, ist ein kleiner Hafen an der Südküste.
Britische Truppen nahmen Jamaika 1655 den Spaniern ab, danach wuchs die Zuckerwirtschaft der Insel rasch. Auch im Nassau Valley wurde das Rohr von versklavten Menschen angebaut und verarbeitet. Nach Angaben des Hauses erhielt Francis Dickinson hier Land und nannte es nach seinem Heimatort in England Appleton. Der früheste Beleg für Rum dieses Guts stammt von 1749.
Erst 1838 endete in Jamaika auch die Zeit der erzwungenen „Lehrlingschaft“, die nach der Abschaffung der Sklaverei 1834 folgte. 1962 wurde die Insel unabhängig. Auf dem Gelände der Estate erinnert heute ein Denkmal an die versklavten Menschen; errichtet hat es J. Wray & Nephew, die Firma hinter der Marke.
Seit 2012 gehört Appleton zur Campari-Gruppe, die die Marke zusammen mit Wray & Nephew und Coruba von der trinidadischen CL Financial übernahm. Für den Hausstil steht seit 1997 Joy Spence. Sie kam 1981 als Chemikerin auf das Gut und wurde nach Angaben des Hauses die erste Frau, die in der Spirituosenbranche Master Blender war.
Was bedeutet der Herkunftsschutz für diesen Rum? „Jamaica Rum“ ist seit 2016 eine geografische Angabe der Insel, im EU-Register steht der Name nicht. Für Appleton heißt das: Gebrannt und in Fässern bis 250 Liter gereift wird in Jamaika, und nach dem Brennen kommen nur Wasser und Zuckerkulör hinzu.