
Rohr, Kalk, Quelle
Zuckerrohr & Melasse
Aus welchem Rohstoff besteht Rum aus Jamaika? Bei der Appleton Estate aus Melasse, dem dunklen, zähen Rest, den die Zuckerfabrik nach dem Auskristallisieren übrig lässt. Die Brennerei bezieht sie nach Angaben des Hauses über einen örtlichen Branchenverband der jamaikanischen Rumhersteller.
Wie entsteht Melasse überhaupt? Das Zuckerrohr wird gepresst, der Saft eingekocht, bis Zuckerkristalle ausfallen, und was sich nicht mehr kristallisieren lässt, ist die Melasse. Sie bleibt in Tanks lange stabil und kann deshalb weit entfernt vom Feld vergoren werden.
Das Nassau Valley gilt als fruchtbare Gegend, in der Rohr gut wächst. Die Hänge ringsum bestehen aus Kalkstein, der Regen speichert und filtert. Auf dem Gut liegt nach Angaben des Hauses eine natürliche Quelle, deren Wasser durch Kalkstein gefiltert ist. Dieses Wasser geht in den Rum ein.
Melasse, Zuckerrohrsaft und Sirup führen zu verschiedenen Rumtypen. Rhum agricole aus frischem Saft schmeckt grasig und pflanzlich, Melasserum wie der aus Jamaika neigt zu dunkleren, würzigeren Tönen. Sirup entsteht, wenn man Saft einkocht, ohne den Zucker abzutrennen. Die EU lässt für Rum alle drei Rohstoffe zu, Rübenzucker dagegen nicht.
Wie viel Zucker steckt dann im fertigen Rum? Die Melasse wird vergoren, ihr Zucker verwandelt sich dabei in Alkohol, und das Destillat enthält keinen. Bei einem Rum mit der Jamaika-Herkunftsangabe darf nach dem Brennen auch nichts mehr gesüßt werden. Die Süße im Glas stammt aus Fass und Melasse, nicht aus dem Zuckersack.