
Glas und Wasser
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Wie schmeckt Rum aus Kolumbien? Weicher als jamaikanischer, ohne Klebstoff und Ananas, dafür mit Vanille, Karamell, gerösteten Nüssen, Kaffee und Trockenfrüchten. Das ist das typische Profil des spanischen Stils, und es erklärt, warum diese Rums gern als Einstieg dienen.
Drei Beispiele zeigen die Spannweite. Der Ron Viejo de Caldas aus Manizales steht mit acht Jahren und 40 Prozent für den klassischen Añejo. Ron Medellín Gran Reserva mit zwölf Jahren kommt aus der Fábrica de Licores de Antioquia. Dictador 12 Jahre aus Cartagena ist dunkler und süßlicher im Eindruck.
In der Nase beginnt der Weg: Zuerst kommen Holz und Vanille, dann Karamell und Röstaromen, bei den älteren Abfüllungen auch Trockenfrüchte und etwas Kakao. Am Gaumen wirkt der Rum weich und fließend, nicht scharf. Der Abgang ist je nach Alter kurz bis mittellang und bleibt warm, ohne zu brennen. Wer die Eindrücke notiert, merkt schnell, wie nah die drei Häuser beieinanderliegen und worin sie sich trotzdem unterscheiden.
Das Glas sollte tulpenförmig sein, ein Nosing-Glas oder ein kleines Weinglas. Die Verjüngung hält die Aromen zusammen. Zimmerwärme von rund 18 bis 20 Grad ist richtig. Zu kalter Rum schweigt, weil die Aromen flüchtig bleiben.
Pur oder mit Wasser? Bei 40 Prozent braucht es kaum Wasser. Ein paar Tropfen können aber helfen, wenn der Alkohol die Nase überdeckt. Danach gilt: erst riechen, dann einen kleinen Schluck nehmen und im Mund wandern lassen.
Wer mehrere Rums nebeneinander probiert, beginnt mit dem jüngsten und endet mit dem ältesten. Wasser und etwas Brot zwischendurch halten den Gaumen frisch. Süße lässt sich am Glasrand erahnen: Je klebriger der Film, desto mehr Zucker. In der EU darf er bis zu 20 Gramm pro Liter betragen und muss nicht auf dem Etikett stehen.