
Punch und Fisch
Essen & Trinkkultur
Wie macht man einen Ti’ Punch? In ein kleines Glas kommen ein Stück Limette mit Schale, etwas Rohrzuckersirup und ein Schluck Rhum blanc. Der Name geht auf „petit punch“ zurück, kleiner Punch. Gerührt wird mit einem Holzquirl, dem Bois lélé, und Eis ist traditionell nicht vorgesehen.
Der Ti’ Punch gilt als Nationalcocktail Martiniques und Guadeloupes und ist älter als das Eis in der Karibik. Das Glas ohne Eis ist die ursprüngliche Form, heute gibt es beide Varianten nebeneinander, und über die richtige streiten die Gäste an jedem Tresen gern.
Dazu gehört eine Redensart, die als Folklore gilt: „Chacun prépare sa propre mort“, jeder bereitet sich seinen eigenen Tod. Der Gastgeber stellt Rum, Sirup und Limetten auf den Tisch und mischt nicht selbst. Jeder bestimmt so Süße, Säure und Menge und trägt damit auch das Maß selbst. Der Spruch ist scherzhaft gemeint.
Zum Ti’ Punch passen die Fischgerichte der Küste. Beim Blaff gart Fisch in einer Brühe mit Limette, Kräutern und Chili. Der Court-bouillon kommt in einer würzigen Tomatensauce auf den Tisch, und Féroce d’avocat, eine Creme aus Avocado, Salzkabeljau, Maniokmehl und Chili, ist ein Klassiker zum Aperitif. Limette und Schärfe haben mit dem grünen, trockenen Rum viel gemeinsam.
Wer die Region besucht, findet in Le François die Habitation Clément mit der Fondation Clément und in Sainte-Luce die Windmühle von Trois-Rivières am Meer. Beide Orte zeigen, dass auf Martinique Rum, Landschaft und Geschichte eng zusammenhängen, auch die dunkle Geschichte der Plantagen.