
Zuckermühle im Trockenland
Region & Geschichte
Woher kommt Ron Abuelo? Aus Pesé, einer Kleinstadt in der Provinz Herrera, mitten auf der Halbinsel Azuero an Panamas Pazifikseite. Die Gegend zählt zum Trockenbogen des Landes, wo die Regenzeit kürzer ausfällt als an der Karibikküste und das Zuckerrohr gut reift.
Zuckerrohr kam mit den Spaniern in die Neue Welt, Columbus brachte es 1493 auf seiner zweiten Reise in die Karibik. Panama diente der Krone im 16. Jahrhundert als Durchgangsland, über das Silber aus Peru lief und versklavte Menschen aus Afrika verschleppt wurden. Das Rohr selbst wurde in Amerika von versklavten Menschen angebaut und verarbeitet, Zucker und Rum gehörten über Jahrhunderte zu einem Handel, der auf Zwangsarbeit ruhte. Nach der Unabhängigkeit von Spanien 1821 gehörte Panama zu Kolumbien, bis es sich 1903 löste.
1908, fünf Jahre nach der Staatsgründung, baute der aus Spanien eingewanderte José Varela Blanco in Pesé die Zuckermühle Ingenio San Isidro auf. Nach Angaben des Hauses war es die erste der jungen Republik. Im selben Jahrzehnt gruben die USA am Kanal, der 1914 eröffnet wurde.
Gebrannt wird in Pesé seit 1936. Damals begann Don José auf Wunsch seiner drei ältesten Söhne José Manuel, Plinio und Julio, aus Zuckerrohr Spirituosen herzustellen. 1976 entstand nicht weit vom ersten Haus eine moderne Brennerei, die Destilería Don José. Heute führt die dritte Generation Varela Hermanos und füllt unter anderem Ron Abuelo und Seco Herrerano ab.
Eine geschützte Herkunftsangabe für Rum aus Panama führt das EU-Register nicht; in der EU gilt für diesen Rum daher nur die allgemeine Rumdefinition. Nach eigener Darstellung hält Varela Hermanos rund 90 Prozent des panamaischen Spirituosenmarkts und setzt etwa eine Million Kisten im Jahr ab. Das Unternehmen blieb dabei in Familienhand.