
Täler und Zucker
Region & Geschichte
Rum aus Venezuela kommt zu einem guten Teil aus den Valles de Aragua, fruchtbaren Tälern westlich von Caracas. Bei El Consejo liegt dort die Hacienda Santa Teresa, die nach Angaben des Hauses 1796 gegründet wurde. Wer verstehen will, was venezolanischer Rum ist, beginnt am besten an diesem Ort. Von dort aus lässt sich die ganze Geschichte erzählen: vom Rohr auf den Haciendas über den Branntwein bis zum geschützten Namen, der heute auf den Flaschen steht.
Das Zuckerrohr kam im sechzehnten Jahrhundert mit den Spaniern ins Land, zuerst nach Coro und El Tocuyo, dann in die Täler im Landesinneren. Auf den Haciendas arbeiteten versklavte Menschen aus Afrika, sie pflanzten, schnitten und verarbeiteten das Rohr. Aus dem Saft wurden Zucker, Sirup und ein einfacher Branntwein, der Aguardiente.
Bei Santa Teresa begann das Brennen laut Hausgeschichte mit einer kleinen Brennblase, die Rumbrennerei nahm 1896 den Betrieb auf. Die Marke Ron Santa Teresa wurde 1909 eingetragen. Die Hacienda liegt nach Angaben des Hauses seit dem späten neunzehnten Jahrhundert in den Händen der Familie Vollmer.
Daneben wuchsen große Marken heran. Pampero wurde nach eigenen Angaben 1938 in Caracas gegründet und brachte 1954 den ersten zertifizierten Añejo des Landes heraus, mit zwei Jahren Reife. Cacique kam 1959 auf den Markt und gilt als meistverkaufter Rum Venezuelas. Pampero ging 2024 laut Presseberichten von Diageo an die italienische Gruppo Montenegro.
Der Herkunftsschutz kam spät. Am 15.08.2003 erkannte die Behörde SAPI die Herkunftsbezeichnung Ron de Venezuela an, 2019 wurde daraus eine DOC, eine Denominación de Origen Controlada. Sie liegt beim Förderfonds Fonpronven. Venezuela hat die Eintragung 2020 auch in der EU beantragt, im Register steht sie bislang als beantragt.