
Kessler seit 1826
Region & Geschichte
Die älteste noch bestehende Sektkellerei Deutschlands steht in Esslingen am Neckar. Kessler wurde am 1. Juli 1826 gegründet. Ältere Versuche gab es, etwa 1824 in Naumburg, doch als älteste bestehende Sektkellerei gilt heute Kessler.
Gründer war Georg Christian Kessler, ein Angestellter, der ab 1807 beim Champagnerhaus Veuve Clicquot in Reims arbeitete und dort bis in die Geschäftsleitung aufstieg. Die zweite Gärung in der Flasche kannte er aus dem Alltag eines großen Hauses, nicht aus Büchern. Gemeinsam mit H. A. Georgii baute er das Verfahren in Esslingen auf, mit Wein aus der Umgebung statt aus der Champagne.
Seit 1832 liegen die Keller im Speyrer Pfleghof. Ein Pfleghof war ein Verwaltungs- und Handelshof, hier der des Speyerer Domkapitels, das darin den Wein seiner Esslinger Klöster und Weinberge verwaltete. Die Gewölbe dienten also lange als Weinkeller, ehe dort Flaschen auf der Hefe lagen.
Der Sekt aus Esslingen fand Abnehmer weit oben: Zeitweise belieferte Kessler den württembergischen Königshof. 1892 gehörte das Haus zu den Gründungsmitgliedern des Verbands Deutscher Sektkellereien, der heute etwa 95 Prozent der inländischen Erzeugung vertritt.
Im Dezember 2004 stellte Kessler wegen sinkender Umsätze einen Insolvenzantrag. Vier Monate später sprangen private Investoren ein, und 2005 übernahm Christopher Baur mit neuen Gesellschaftern das Haus. Heute füllt Kessler rund zwei Millionen Flaschen im Jahr.
Das Anbaugebiet Württemberg umfasst rund 11.800 Hektar und ist das viertgrößte Deutschlands. Neben den Sekthäusern liefern 41 selbstständige Weingärtnergenossenschaften und eine Zentralgenossenschaft den Wein. Sekt aus württembergischen Trauben heißt „Sekt b.A.“ und trägt eine amtliche Prüfnummer.