
Schiefer und Säure
Boden & Klima
Der Boden an der Mosel ist überwiegend Schiefer, ein dunkles, splittriges Gestein, das tagsüber Wärme aufnimmt und sie nachts langsam wieder abgibt. Das Weingut Agritiushof nennt Devonschiefer als Grund seines Riesling-Crémants. Für den Sekt heißt das: Die Trauben reifen gleichmäßig und behalten trotzdem ihre Säure.
Lagennamen, die auf „-lay“ enden, stehen für Schieferhänge. Ein Händler beschreibt den Scharzhofberger Riesling Sekt Brut der Bischöflichen Weingüter Trier mit Birne, Aprikose und gelbem Apfel, dazu eine salzig-mineralische Note. Diese Salzigkeit ist der Teil, den der Schiefer beisteuert.
Steile Hänge machen den Einsatz von Maschinen unmöglich. Die Trauben für Moselsekt kommen deshalb oft von Hand ins Haus, und das passt zu den Regeln für Crémant, der handgelesen sein muss. Deutschland erlaubt den Namen Crémant für Sekt b.A. ausdrücklich.
Auf dem Etikett darf „Steillage“ stehen, auch bei Sekt b.A., wenn die Trauben von Flächen mit mindestens 30 Prozent Neigung stammen. Das bedeutet 30 Meter Höhenunterschied auf 100 Meter Strecke. Ein ausgezeichneter Winzersekt des Jahrgangs 2022 zeigt das offen: Mosel, Riesling, Steillage, trocken, 12 Prozent Alkohol.
Das kühle Klima ist der eigentliche Vorteil für Schaumwein. Sekt braucht Trauben, die früh gelesen werden und viel Säure mitbringen. An der Mosel reift der Riesling spät, hält seine Säure und kommt mit mäßigem Alkohol in die Presse. Für Sekt b.A. sind mindestens 10 Prozent Alkohol vorgeschrieben, das erreichen die Grundweine ohne Mühe.