
Lese und Verschnitt
Grundwein & Cuvée
Der Herbst entscheidet in Kent und Hampshire, wie ein Schaumwein wird. Wer ihn wie in der Champagne macht, liest früh, solange die Säure hoch und der Zucker noch niedrig ist, und meist von Hand in kleinen Kisten, damit die Beeren heil bleiben. Reife Frucht allein wäre zu schwer, gebraucht wird ein schlanker Grundwein.
Dann werden die Trauben ganz gepresst, behutsam und langsam. So läuft auch aus den dunklen Pinot-Noir-Beeren ein heller Saft. Der erste, feinste Teil heißt Cuvée, der gröbere Rest Taille. Wer beide trennt, bekommt reinere Grundweine und kann später genauer verschneiden.
Beim Verschnitt, der Assemblage, zeigt sich die Handschrift des Hauses. Für Louis Pommery wählte der Kellermeister Thierry Gasco aus Reims aus den Weinen, die Emma Rice bei Hattingley Valley in Hampshire gekeltert hatte, und mischte sie zum ersten Verschnitt aus der Ernte 2015. Ein Champagnerhaus entwirft die Cuvée also in England, während der Wein von einem englischen Betrieb gemacht wird.
Weil das Wetter von Ernte zu Ernte schwankt, legen Häuser Reserveweine zurück, also Grundweine früherer Jahre. Sie gleichen aus, was ein einzelner Jahrgang nicht liefert. Die Classic Cuvée Edition I von Domaine Evremond führt statt eines Jahres eine Zählung im Namen, ein Hinweis darauf, dass die Hausmischung im Vordergrund steht.
Ein Wein nur aus Chardonnay heißt Blanc de Blancs, einer nur aus roten Sorten Blanc de Noirs. Eine Mischung aller drei Sorten wie bei Evremond und Pommery ist weder das eine noch das andere, sie lebt vom Zusammenspiel. Hattingley Valley, das auch für andere Häuser keltert, zeigt nebenbei, wie viel Erfahrung für diesen Verschnitt nötig ist.