
Hügel der Dörfer
Region & Geschichte
Die Montagne de Reims ist kein Berg, sondern ein bewaldeter Höhenzug zwischen Reims und dem Marnetal, rund dreißig Kilometer lang. An seinen Hängen liegen Winzerdörfer, deren Namen auf Champagner-Etiketten stehen: Verzenay, Mailly, Bouzy, Ambonnay.
Welcher Champagner hier wächst, bestimmt vor allem die Gemeinde. Von den 319 Crus der Appellation tragen nur 17 die Einstufung Grand Cru, und neun davon liegen an der Montagne: Verzenay, Verzy, Mailly-Champagne, Bouzy, Ambonnay, Sillery, Puisieulx, Beaumont-sur-Vesle und Louvois. Die übrigen acht verteilen sich auf das Marnetal und die Côte des Blancs.
Grand Cru heißt in der Champagne also „beste Gemeinde“, nicht „beste Lage“ wie in Burgund. Dahinter stand lange eine Preisskala, die Échelle des crus: Trauben aus Grand-Cru-Dörfern bekamen den vollen Richtpreis, Premier-Cru-Dörfer wie Ludes, Chigny-lès-Roses oder Rilly-la-Montagne 90 bis 99 Prozent davon. Die alte Skala wurde Ende der 2000er-Jahre aufgegeben, die Begriffe Grand Cru und Premier Cru blieben auf dem Etikett.
Wie ein Dorf sich selbst hilft, zeigt Mailly. Im Jahr 1929, mitten in der Wirtschaftskrise, gründeten 25 Winzerfamilien eine Genossenschaft, die nur Trauben aus ihrem eigenen Grand Cru verarbeitet. Ihre Kreidekeller gruben die Mitglieder bis 1965 selbst.
Über den Reben von Verzenay steht seit 1909 ein Leuchtturm, der kein Schiff führt. Ein Weinhändler ließ ihn bauen, um für seine Champagnermarke zu werben, später gab es zu seinen Füßen Feste, Tanz und Freilufttheater. Seit 1999 beherbergt der Phare de Verzenay das Musée de la Vigne.
Auch ein großes Haus aus Reims setzt auf diese Hänge. Krug, 1843 von Johann-Joseph Krug aus Mainz gegründet, füllt seit dem Jahrgang 1995 den Clos d’Ambonnay ab. Nach fast zehn Jahren Versuchen zeigte das Haus ihn erst im Oktober 2007 der Öffentlichkeit.