
Häuser am Fluss
Region & Geschichte
Die Vallée de la Marne, das Marnetal, ist der Teil der Champagne, in dem Meunier wächst, und Aÿ ist sein bekanntester Ort. Am nördlichen Ufer des Flusses reihen sich rund um Épernay Cumières, Hautvillers, Dizy, Aÿ und Mareuil-sur-Ay aneinander, jedes mit eigenen Winzern und Häusern.
Aus Deutschland kamen mehrere Männer, die hier Champagnerhäuser gründeten. Joseph Jacob Placid Bollinger aus Ellwangen eröffnete am 6. Februar 1829 in Aÿ das Haus Bollinger, das bis heute der Familie Bollinger gehört. 1838 folgte Deutz, gegründet von William Deutz und dem Aachener Peter-Joseph-Hubert Geldermann.
Von dieser Gründung führt eine Linie nach Breisach am Rhein: Der Sektproduzent Geldermann geht auf das Haus Deutz & Geldermann in Aÿ zurück und gehört seit 2003 zu Rotkäppchen-Mumm. Johann-Joseph Krug aus Mainz baute 1843 sein Haus in Reims auf, also außerhalb des Tals, und reiht sich doch in dieselbe Geschichte zugewanderter Deutscher ein.
Billecart-Salmon entstand 1818 in Mareuil-sur-Ay, als Nicolas François Billecart und Elisabeth Salmon heirateten, und ist nach wie vor in Familienhand. Jacquesson wurde 1798 in Châlons gegründet, sitzt heute in Dizy und nennt sich selbst die älteste unabhängige Maison der Champagne.
Was als Champagner gelten darf, regelt die Herkunftsbezeichnung AOC Champagne. Die Grenzen zog das Gesetz vom 6. Mai 1919, das Dekret von 1936 machte daraus die Appellation. Aÿ und Tours-sur-Marne sind Grand-Cru-Gemeinden, Cumières, Dizy, Hautvillers und Mareuil-sur-Ay führen den Rang Premier Cru. Gemeint sind jeweils ganze Gemeinden, nicht einzelne Weinberge.
In der gesamten Champagne bewirtschaften 16.200 Winzer 90 Prozent der Rebfläche, während 370 Häuser mehr als zwei Drittel der Menge versenden (Datenbasis 2023). Vom Aufstand des Jahres 1911, der auch Aÿ traf, erzählt die Weinreise.