
Perlwein oder Schaum
Region & Geschichte
Ist Lambrusco Perlwein oder Schaumwein? Beides, und das Gesetz trennt die Stufen über den Druck in der Flasche. Perlwein hat nach EU-Recht 1 bis 2,5 bar Überdruck, Schaumwein mindestens 3 bar, Qualitätsschaumwein, auf Deutsch Sekt, mindestens 3,5 bar. Der rote Lambrusco aus der Gegend zwischen Modena und Reggio Emilia kommt als frizzante, also Perlwein, und als spumante in den Handel, rot wie rosé.
Nach Angaben des Hauses begann Cleto Chiarli 1860 in Modena mit der ersten Lambrusco-Erzeugung, im Jahr der italienischen Einigung. Drucktanks gab es damals noch nicht. Sie kamen mit Federico Martinotti, der sein Verfahren 1895 in Asti patentieren ließ. Eugène Charmat verbesserte es 1907, und in Italien heißt die Methode deshalb bis heute Metodo Martinotti.
Mit dem Tank wuchs die Menge. Die Fachpresse beschreibt die 1970er und 1980er Jahre als Lambrusco-Boom, den dieses Verfahren erst möglich machte. Für 2023 nennen Berichte über die Erzeuger gut 35 Millionen Flaschen DOC und fast 100 Millionen Flaschen Emilia IGT. Die Champagne kennt dagegen keinen roten Schaumwein, ihre Appellation ist auf weiße und rosé Schaumweine beschränkt.
Seit dem 1. Januar 2021 gibt es ein gemeinsames Dach, das Consorzio Tutela Lambrusco. Es ging aus dem Zusammenschluss von drei Konsortien hervor und überwacht acht Herkunftsbezeichnungen. Zu den wichtigsten gehören Lambrusco di Sorbara, Lambrusco Grasparossa di Castelvetro und Lambrusco Salamino di Santa Croce, dazu kommen Reggiano und Modena. Rund 70 Mitglieder bewirtschaften nach Presseangaben über 10.000 Hektar.
Wie die Sortenfamilie zu ihrem Ruf kam, erzählt die Weinreise zur Emilia-Romagna. Hier geht es um das, was in der Flasche geschieht: um Druck, Tank, Hefe und darum, was auf dem Etikett stehen darf.