
Sekt vom Hauer
Region & Geschichte
Was ist eine Große Reserve? So heißt die höchste Stufe des österreichischen Sekts g.U., dessen Trauben zu mindestens 85 Prozent aus einer einzigen Gemeinde stammen müssen. In Niederösterreich gibt das viele mögliche Namen für das Etikett, denn hier liegen mit Langenlois im Kamptal und Poysdorf im Weinviertel zwei große Weinstädte, deren Hänge und Lössrücken Trauben für Schaumwein liefern.
Der rechtliche Rahmen ist jung. Die Sektbezeichnungsverordnung wurde am 5. Dezember 2016 kundgemacht und 2018 geändert. Sie verlangt für jeden Sekt g.U. eine der Stufen Klassik, Reserve oder Große Reserve. Wie die ganze Pyramide aufgebaut ist, erzählt die Reise bei den Wiener Kellereien.
Dazu darf der Zusatz „Hauersekt“ auf die Flasche. Hauer ist das österreichische Wort für Winzer, und gemeint ist ein Sekt, den der Erzeuger selbst herstellt. Nach Darstellung der Fachpresse liegen Tirage, Degorgieren und Versand dann beim Winzer. Wer dagegen nur „Sekt“ ohne g.U. liest, hält eine Flasche in der Hand, deren Grundwein von überall stammen kann.
Die Betriebe waren vor der Verordnung schon da. Das Weingut Bründlmayer in Langenlois füllte seinen ersten Jahrgang 1947 ab. Nach Darstellung des Hauses übernahm Willi Bründlmayer senior nach dem Zweiten Weltkrieg ungenutzte Weinberge, aus denen später einige der bekanntesten Lagen Österreichs wurden. Heute stellt das Gut auch Sekt der Stufe Reserve her.
Poysdorf gilt als die Sektstadt des Weinviertels, und die Stadt kürte für 2023 neben Stadtwein und Stadtfrizzante einen eigenen Stadtsekt. In Langenlois baut Steininger sortenreine Jahrgangssekte aus, bei denen nach Angaben des Hauses vom Füllen bis zum Degorgieren alles im eigenen Keller geschieht.