
Fund im Keller
Alte Sektflasche gefunden: trinken oder nicht?
Ob sich eine alte Sektflasche noch lohnt, zeigen Stil, Lagerung, Füllstand, Farbe und Korken. Tankvergorener Markensekt ist nach vielen Jahren meist müde, gut gelagerter Champagner kann Jahrzehnte überstehen. Riecht der Wein nach Essig, Schimmel oder Kork, gehört er in den Ausguss.
Was verrät die Flasche, bevor man sie öffnet?
Der erste Blick gilt dem Verschluss. Ist die Kapsel verklebt, verkrustet oder hängt sie lose, ist vielleicht Wein ausgetreten. Ein Korken, der sichtbar tiefer im Hals sitzt als üblich, und eine stark rostige Agraffe sprechen für eine harte Lagerung. Dann lohnt der Blick auf den Füllstand. Bei Schaumwein sinkt er selten, weil der Druck den Korken abdichtet. Steht der Wein deutlich tiefer als bei einer frischen Flasche, ist wahrscheinlich Gas und Wein entwichen.
Danach hilft eine Taschenlampe hinter dem Glas. Ein weißer Sekt darf mit den Jahren goldener werden. Ist er bernsteinfarben oder bräunlich, hat Sauerstoff ihn verändert, er ist oxidiert. Bei Rosé verschiebt sich die Farbe ins Orange, auch das ist ein Zeichen von Alter. Schwebende Flocken in einem degorgierten Schaumwein sind ungewöhnlich und eher ein Warnzeichen. Bei Pét-Nat oder Sui Lieviti gehört ein Depot dagegen zum Stil.
Welcher Sekt übersteht viele Jahre?
Der Stil entscheidet viel. Ein tankvergorener Markensekt, der seit einem Jubiläum vor fünfzehn Jahren im Wohnzimmerschrank steht, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit flach und schmeckt nach Pappe oder Apfelmus. Er war nie für die Reife gedacht, und warme, wechselnde Temperaturen haben ihn zusätzlich gealtert. Etwas bessere Chancen hat ein flaschenvergorener Sekt, Crémant oder Cava mit langem Hefelager.
Die besten Chancen hat ein Champagner, vor allem mit Jahrgang, der dunkel und kühl im Keller lag. Er kann nach zwanzig Jahren noch lebendig sein, mit Aromen von Honig, Nuss und Kaffee und einer feinen, ruhigen Perlage. Die Lagergeschichte zählt dabei fast so viel wie der Wein selbst. Eine Flasche vom Dachboden hat schlechtere Aussichten als dieselbe Flasche aus einem gleichmäßig kühlen Gewölbekeller.
Alte Flasche öffnen und verkosten: worauf achten?
Auch eine alte Flasche kann noch Druck haben, deshalb gilt die übliche Vorsicht: Tuch über den Korken, Hals vom Gesicht und von anderen Menschen weg, Agraffe lösen und den Korken festhalten. Alte Korken sind oft brüchig und reißen ab. Dann hilft ein Korkenzieher, den man langsam eindreht, während das Tuch die Hand schützt. Manchmal kommt kaum noch ein Zischen, weil die Kohlensäure über die Jahre entwichen ist.
Dann entscheidet die Nase. Riecht der Wein nach Essig, Schimmel, nassem Karton oder Lösungsmittel, ist er verdorben oder korkkrank und gehört weggeschüttet. Riecht er nach Sherry, Walnuss und Honig, ist er stark gereift, aber nicht unbedingt fehlerhaft. Ein kleiner Schluck zeigt, ob noch Säure und Frische da sind. Manche alte Sekte schmecken dann wie ein reifer, leicht perlender Weißwein, und genau das kann reizvoll sein.
Wrackfund in der Ostsee: Champagner nach 170 Jahren
Wie viel ein Champagner unter idealen Bedingungen aushält, zeigte ein Fund vor den Åland-Inseln zwischen Schweden und Finnland. Taucher entdeckten dort 2010 in einem Schiffswrack in rund 50 Metern Tiefe 168 Flaschen Champagner. Sie lagen nach Schätzungen etwa 170 Jahre auf dem Meeresgrund. Über eingebrannte Zeichen auf den Korken ließen sie sich den Häusern Veuve Clicquot Ponsardin, Heidsieck und Juglar zuordnen.
Ein Team um Philippe Jeandet von der Universität Reims untersuchte den Wein und veröffentlichte 2015 die Ergebnisse in der Fachzeitschrift PNAS. Die Weine enthielten rund 150 Gramm Zucker je Liter, ein heutiger Brut hat unter 12. Die Forscher erklärten den guten Zustand mit Kälte von 2 bis 4 °C, völliger Dunkelheit und hohem Wasserdruck. Die Verkoster beschrieben zunächst tierische und käsige Noten, nach dem Schwenken im Glas auch rauchige, ledrige und fruchtige.