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Sekt lagern: stehend oder liegend?

Liegend oder stehend

Sekt lagern: stehend oder liegend?

Sekt und Champagner dürfen stehend oder liegend lagern. Das Comité Champagne sieht keinen Einfluss der Lage auf die Qualität. Wichtiger sind Dunkelheit, eine gleichmäßige Temperatur zwischen 10 und 15 °C, eine Luftfeuchte von 60 bis 80 Prozent und ein Raum ohne fremde Gerüche.

Warum lagert Sekt anders als Stillwein?

Bei Stillwein mit Naturkorken gilt die alte Regel: Flasche hinlegen, damit der Korken feucht bleibt und nicht schrumpft. Ein trockener Korken lässt Luft herein, der Wein oxidiert, er reagiert also mit Sauerstoff und wird schal. Bei Schaumwein liegen die Dinge etwas anders. Zwischen Korken und Wein sitzt ein kleiner Gasraum, und der steht unter Druck. In einer Champagnerflasche sind es nach Angaben des Comité Champagne rund 6 bar bei 20 °C, ein Qualitätsschaumwein wie Sekt muss mindestens 3,5 bar haben.

Dieser Gasraum ist mit Kohlendioxid und Wasserdampf gesättigt. Die Unterseite des Korkens steht deshalb auch in einer aufrechten Flasche in feuchter Luft. Dazu kommt der Aufbau: Ein Sektkorken besteht meist aus gepresstem Korkgranulat, unten sitzen Scheiben aus Naturkork. Er ist kräftig zusammengepresst und hält fester als ein schlanker Weinkorken. Das Comité Champagne, der Branchenverband der Champagne, schreibt in seinem Merkblatt zur Lagerung deshalb ausdrücklich: liegend oder stehend, ohne Einfluss auf die Qualität des Weins.

Liegend oder stehend: Was der Versuch von 1996 zeigte

Ganz ohne Unterschied ist die Lage trotzdem nicht. Französische Fachmedien berichten von einer Untersuchung des Comité Champagne aus dem Jahr 1996. Danach änderte die Lage nichts am Risiko für Fehltöne und Korkgeschmack. Die liegenden Flaschen wirkten aber leicht weiter entwickelt als die stehenden, der Wein schmeckte also etwas reifer. Eine Erklärung liegt nahe: Wo Wein dauerhaft am Korken anliegt, kann der Austausch mit der Außenluft ein wenig anders verlaufen.

Für den Alltag folgt daraus eine einfache Regel. Wer Sekt für die nächsten Wochen oder Monate kauft, kann ihn stehend aufbewahren, so wie er im Handel steht. Wer Champagner über Jahre reifen lassen will, legt ihn meist hin, wie es in Kellern üblich ist und Platz spart. Wer den frischen Stil länger bewahren möchte, darf ihn aber auch aufrecht stellen. Beide Wege sind fachlich vertretbar, entscheidend sind die übrigen Bedingungen.

Licht im Weinregal: der Lichtgeschmack

Weit mehr Schaden richtet Licht an. Weißwein, Rosé und Champagner enthalten Riboflavin, also Vitamin B2, und die Aminosäure Methionin. Trifft blaues oder ultraviolettes Licht auf den Wein, zerlegt diese Reaktion das Methionin zu flüchtigen Schwefelverbindungen. Der Fehler heißt auf Französisch goût de lumière, Lichtgeschmack. Er riecht nach gekochtem Kohl, nassem Spültuch oder faulen Eiern und macht den Wein bitter. Forschungsarbeiten aus Frankreich beschreiben, dass geschulte Verkoster ihn in einem Glas Champagner schon nach einer Viertelstunde Sonne bemerken.

Flaschen aus klarem oder hellem Glas sind besonders gefährdet, viele Rosé-Champagner und manche Prestige-Cuvées stecken deshalb in Folie oder Karton. Auch dunkelgrünes Glas schützt über längere Zeit nicht vollständig. Das Comité Champagne rät, Flaschen im Dunkeln zu lagern und in Schaufenstern Attrappen auszustellen. Zu Hause heißt das: Karton geschlossen lassen, kein Regal am Fenster, keine Neonröhre direkt über der Flasche.

Der richtige Ort: Temperatur, Feuchte, Ruhe

Das Merkblatt des Comité nennt eine Temperatur zwischen 10 und 15 °C und eine Luftfeuchte zwischen 60 und 80 Prozent. Wichtiger als der genaue Wert ist, dass er gleich bleibt. Schwankt die Temperatur zwischen Tag und Nacht oder Sommer und Winter stark, dehnt sich der Wein aus und zieht sich wieder zusammen. Der Korken wird dabei immer wieder belastet, und der Wein altert schneller. Ein Weinklimaschrank, ein kühler Keller oder ein dunkler Schrank im kältesten Raum der Wohnung sind gute Plätze.

Ungeeignet sind die Küche neben Herd und Spülmaschine, der Platz auf dem Kühlschrank und der Dachboden. Der Lagerraum sollte außerdem frei von starken Gerüchen sein, also nicht neben Farbeimern, Heizöl oder Zwiebeln liegen, und gelegentlich gelüftet werden. Nach einer langen Fahrt empfiehlt das Comité, die Flaschen erst ruhen zu lassen. Ein Pét-Nat mit Hefe in der Flasche steht vor dem Öffnen am besten einige Tage aufrecht, damit sich das Depot am Boden sammelt.

Kurz unterschieden

Stillwein mit Korken
Wird liegend gelagert, damit der Korken feucht bleibt. Ihm fehlt der feuchte Gasraum unter Druck, den eine Sektflasche hat.
Champagner
Darf laut Comité Champagne liegend oder stehend lagern. Im Versuch von 1996 wirkten liegende Flaschen leicht weiter entwickelt.
Rosé in Klarglas
Besonders anfällig für den Lichtgeschmack, weil helles Glas kaum Licht filtert. Gehört in Karton oder Dunkelheit.
Pét-Nat mit Hefe
Trägt oft noch Hefe in der Flasche. Vor dem Öffnen einige Tage aufrecht stellen, damit sich das Depot am Boden sammelt.

Dazu im Lexikon

Wein richtig lagernChampagner im LexikonWas ist Pét-Nat?
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