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Guten deutschen Sekt erkennen: Was das Etikett über Qualität verrät
Guten deutschen Sekt erkennt man an vier Angaben: Herkunft (Sekt b.A. mit Gebiet statt nur Sekt), Methode (traditionelle Flaschengärung), Erzeuger (Winzersekt, VDP.Sekt) und Reifezeit auf der Hefe. Die Süßeangabe wie Brut oder trocken zeigt den Stil, nicht die Qualität.
Herkunft: Sekt, Deutscher Sekt oder Sekt b.A.?
Die erste Frage lautet: Woher stammen die Trauben? Steht nur Sekt auf dem Etikett, ist die Herkunft offen, der Grundwein kann aus anderen EU-Ländern kommen. Deutscher Sekt bindet die Trauben an Deutschland, Sekt b.A. an ein einzelnes Anbaugebiet, dessen Name auf dem Etikett steht. Je enger die Herkunft, desto mehr übernimmt der Sekt den Charakter eines Gebiets, etwa die straffe Säure eines Mosel-Rieslings.
Herkunft allein ist allerdings kein Gütesiegel. Ein Sekt b.A. darf im Drucktank entstehen und nach sechs Monaten fertig sein. Er hat eine amtliche Prüfung bestanden, mehr sagt die Stufe über den Aufwand nicht. Deshalb lohnt der zweite Blick auf die Methode.
Tankgärung, Flaschengärung, traditionelle Flaschengärung: Was schmeckt man?
Im Tank, auch Charmat-Verfahren genannt, gärt der Sekt in großen Drucktanks und kann nach wenigen Monaten abgefüllt werden. Das bewahrt frische Fruchtaromen und eignet sich für duftige Sorten wie Muskateller. Steht Flaschengärung auf dem Etikett, gärte der Sekt in der Flasche, wurde aber oft unter Druck in einen Tank umgefüllt, filtriert und neu abgefüllt. Man nennt das Transvasierverfahren.
Nur traditionelle oder klassische Flaschengärung garantiert, dass der Sekt mindestens neun Monate ununterbrochen auf der Hefe in derselben Flasche lag und dann degorgiert wurde. Der lange Kontakt mit der Hefe macht die Perlage feiner und bringt Noten von Brot, Brioche und Nuss. Für viele Kenner ist dieser Begriff das wichtigste Qualitätszeichen auf einem deutschen Sekt. Winzersekt und Crémant schreiben ihn ohnehin vor.
Erzeuger und Hefelager: Winzersekt, VDP.Sekt, Degorgierdatum
Der dritte Blick gilt dem Erzeuger. Winzersekt bedeutet eigene Trauben, eigene Weinbereitung, Rebsorte und Jahrgang. VDP.Sekt geht weiter: Handlese, Ganztraubenpressung und mindestens 15 Monate auf der Hefe, mit Jahrgang 24 Monate, bei VDP.Sekt.Prestige 36 Monate. Auch außerhalb des Verbands geben viele Weingüter die Zeit auf der Hefe freiwillig an.
Hilfreich ist das Degorgierdatum, das manche Erzeuger auf das Rückenetikett drucken. Zusammen mit dem Jahrgang zeigt es, wie lange der Sekt auf der Hefe gereift ist. Fehlt jede Angabe zu Methode und Hefelager, ist das kein Beweis für schlechte Qualität, aber ein Hinweis darauf, dass der Erzeuger mit etwas anderem wirbt als mit der Zeit im Keller.
Auch die Herstellerzeile verrät etwas. Steht dort ein Weingut, das zugleich die Trauben angebaut hat, kommt der Sekt aus einer Hand. Steht eine Sektkellerei, stammt der Grundwein meist aus Zukauf, was bei sorgfältiger Auswahl ebenfalls sehr gute Sekte ergeben kann. Bei Sekt b.A. zeigt zudem die amtliche Prüfnummer, dass der Sekt im Labor und in einer Blindverkostung geprüft wurde.
Rebsorte und Süße: Riesling, Pinot oder Muskateller, Brut oder trocken?
Riesling ist die typische deutsche Sektsorte, mit lebhafter Säure und Aromen von Apfel und Zitrus. Sekte aus Spätburgunder, Weißburgunder und Chardonnay erinnern stilistisch eher an Champagner. Ein Blanc de Noirs ist ein weiß gekelterter Sekt aus roten Trauben. Muskateller ergibt duftige, oft etwas süßere Sekte. Die Sorte sagt etwas über den Stil, nicht über die Güte. Ausführlich behandelt sie die Reise zu den Rebsorten.
Die Süßeangabe ist Pflicht und zeigt, wie viel Zucker im Sekt steckt. Brut bedeutet unter 12 Gramm je Liter, Extra Brut höchstens 6 Gramm, Brut Nature weniger als 3 Gramm ohne Zuckerzusatz. Das vertraute Wort trocken steht dagegen für 17 bis 32 Gramm je Liter, halbtrocken für 32 bis 50 Gramm. Gute Sekte gibt es in jeder Stufe. Wer den Charakter von Trauben und Hefelager schmecken möchte, greift aber eher zu Brut oder Extra Brut, weil weniger Zucker den Eindruck nicht überdeckt.