
Fest, Glas, Messer
Essen & Trinken
Zu den Festen und Wochenmärkten im Tal gehört Birria, ein langsam gegarter Eintopf aus Ziegen- oder Rindfleisch in würziger Chilibrühe. Serviert wird er oft mit Limette und Zwiebeln. In Amatitán und Tequila kocht man ihn traditionell für große Anlässe. Das gilt besonders, wenn viele Menschen zusammenkommen, etwa zur Erntezeit. So verbindet Birria die Ernte mit dem Dorfleben rund um die Brennereien.
Getrunken wird hier auch anders, als man denkt: In der Bar La Capilla, mitten in der Stadt Tequila, mixte der Barkeeper Don Javier Delgado Corona den Batanga. Das ist Tequila mit Cola und Limette, gerührt mit einem Küchenmesser statt einem Löffel. Die Geste blieb, weil sie einfach war und weil sie funktionierte. Bis heute wird der Drink dort auf dieselbe Weise gerührt. Diese kleine Geste erzählt mehr über die Stadt als jede Speisekarte.
Klassischer und älter noch ist die Sangrita. Das ist eine würzige Mischung aus Tomaten- oder Orangensaft, Chili und manchmal Granatapfel. Man trinkt sie in kleinen Schlucken abwechselnd mit dem Tequila, nie gemischt im selben Glas. Sie soll die Schärfe des Brands auffangen und den Gaumen zwischen zwei Schlucken neu ordnen.
An Brennereien mit offenem Ofen bekommt man manchmal ein Stück der gerösteten Piña zu kosten. Sie schmeckt süß wie gebrannter Zucker, mit einer leicht rauchigen Kante. Das ist der einfachste Beweis dafür, dass am Anfang jedes Tequilas aus diesem Tal dieselbe Pflanze steht. Gekocht, gemahlen, vergoren und schließlich gebrannt – aber immer dieselbe Blaue Agave von hier. Wer das probiert, versteht Kochen und Verkosten als denselben Vorgang.