Klima in der Region Patagonien

Wind, Wüste, Amplitude

Klima

Neununddreißig Grad südlicher Breite, zweihundert bis vierhundert Meter über dem Meer, unter zweihundert Millimeter Regen im Jahr: Auf dem Papier ist das Alto Valle eine Wüste, keine Weinregion. Wein wird daraus trotzdem. Verantwortlich sind ein Fluss, ein Kanalnetz aus dem frühen zwanzigsten Jahrhundert und eine Temperaturschwankung, die anderswo Reben das Leben schwer machen würde.

Tagsüber klettert das Thermometer im Sommer über dreißig Grad, nachts fällt es oft unter zehn. Das ist ein Unterschied von bis zu zwanzig Grad zwischen Mittag und Mitternacht. Die Traube reift tagsüber und erholt sich nachts. Genau dieser Wechsel hält die Säure fest, die reife und zugleich frische Weine erst möglich macht. Ohne die kalten Nächte gäbe es hier keinen Pinot Noir, der diesen Namen verdient.

Dazu kommt der Wind, der in Neuquén und Río Negro fast permanent aus Westen und Südwesten weht. An vielen Tagen weht er über zwanzig Stundenkilometer schnell, in Böen deutlich über achtzig. Er trocknet die Trauben nach Regen ab und hält Pilzkrankheiten fern, weshalb hier vergleichsweise wenig gespritzt werden muss. Sein Preis ist mechanischer Stress: Junge Triebe brechen, Blätter reißen. Deshalb stehen entlang vieler Chacras noch immer lange Reihen von Pappeln, sogenannte Alamedas, die als Windschutz gepflanzt wurden. Ihre Zahl schrumpft im Alto Valle seit Jahrzehnten.

Regen fällt kaum. Doch die Sonne scheint an mehr als dreihundert Tagen im Jahr, und im Hochsommer bleibt es bis in den späten Abend hell. Bewässert wird ausschließlich über Kanäle, die das Flusswasser von Río Negro und Río Neuquén auf die Parzellen verteilen. Wer hier keinen Zugang zu einem Kanal hat, kann nicht pflanzen, ganz gleich wie gut der Boden sonst wäre. Die Ernte beginnt deshalb später als im wärmeren Norden Argentiniens, oft erst im März oder sogar im April.

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