Böden in der Region Patagonien

Terrassen & Fragipan

Böden

Grab im Alto Valle ein Loch. In den ersten zwanzig, dreißig Zentimetern findest du feinen, schluffigen Boden, von Jahrtausenden immer wieder über die Ufer tretenden Fluten des Río Negro und des Río Neuquén abgelagert. Organisches Material sucht man darin fast vergeblich. Denn in dieser Trockenheit verrottet kaum etwas, was auf dem Boden liegen bleibt.

Darunter wird es kompliziert. Bodenkundler nennen die Region ein Aridisol, einen Wüstenboden. In vielen Parzellen liegt darin eine verhärtete Schicht, ein sogenannter Fragipan: trocken fast wie Beton, feucht dagegen brüchig und plattig, als hätte jemand dünne Fliesen übereinandergestapelt. Eine Untersuchung an einundsechzig Messpunkten im Alto Valle fand bei Merlot, Malbec und Cabernet Sauvignon einen klaren Zusammenhang. Lag diese Schicht höher als dreißig Zentimeter und leistete sie mehr als drei Megapascal Widerstand, hatten die Reben weniger Blattfläche und weniger Ertrag.

Für die Wurzel ist das eine Wand, an der sie entlangwachsen muss statt hindurch. Manche schaffen es trotzdem, zwängen sich durch Risse und feine Sprünge. Darunter wartet der Lohn: eine alte Flussterrasse aus grobem Kies, dem sogenannten Ripio, in der sich Wasser hält, das die Bewässerungskanäle von oben nachliefern. Wurzeln, die diese Tiefe erreichen, versorgen die Pflanze auch in Wochen ohne Regen. Patagonien hat viele solcher Wochen.

Im Weinberg von San Patricio del Chañar, jenseits des Río Neuquén in der Nachbarprovinz, sieht dasselbe Prinzip anders aus. Dort liegen die Reben an den Hängen der Bardas, erodierten Hochflächen aus tonig-kalkigem Sediment mit eingelagertem Geröll. Das Gestein ist jünger und lockerer als im Alto Valle, verlangt aber dieselbe Anpassung von der Wurzel. Zwei Provinzen, zwei Gesteine, eine Regel: Wer sich durchkämpfen muss, konzentriert am Ende mehr Aroma in der Beere als wer es bequem hat.

Grab dich durchSchicht antippen

Feiner, schluffiger Anschwemmboden aus den Überflutungen von Río Negro und Río Neuquén. Kaum Humus, weil in dieser Trockenheit fast nichts verrottet.

Die Wurzel: Hier liegen die Feinwurzeln, die auf den nächsten Kanalguss warten — Regen kommt fast nie von selbst.

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