
Zwei kühle Rebsorten
Rebsorten
Wer an argentinischen Wein denkt, denkt zuerst an Malbec. Der wächst auch hier, nur unter kühleren Nächten und mit weniger Sonnenstunden als im fernen Mendoza, was den Zucker niedriger und die Säure höher hält. Dadurch bleibt er heller in der Frucht: mehr rote Kirsche und Veilchen, weniger Marmelade und Vanille. Wer beide nebeneinander verkostet, schmeckt zwei verschiedene Länder in derselben Rebsorte.
Zum eigentlichen Aushängeschild der Region wurde aber eine andere Sorte: Pinot Noir. In Deutschland heißt sie Spätburgunder. Sie gilt als besonders launisch, weil sie kühle Nächte, mageren Boden und Winzer braucht, die nicht eingreifen, wo die Traube es selbst richtig macht. Im Alto Valle und in Neuquén findet sie beides. Kritiker vergleichen den patagonischen Pinot Noir deshalb mit burgundischer Finesse — Kirschfrucht, ein erdiger Unterton, feines statt hartes Tannin.
Die dritte Spur führt zurück zu den Gründervätern. Humberto Canale ließ 1909 Cabernet Sauvignon, Merlot, Sémillon und Sauvignon Blanc aus Bordeaux kommen, weil er hier ein zweites Bordeaux erträumte. Sémillon blieb hängen. Die Bodega führt bis heute eine Linie aus jahrzehntealten Reben, die nach Wachs, Honig und reifer Birne schmeckt und mit den Jahren goldener wird, statt zu ermüden.
Eine Besonderheit lässt sich nur hier so leicht erklären. Weil Sand und trockene Böden die Reblaus fernhalten, jenen mikroskopisch kleinen Schädling, der Europas Weinberge im neunzehnten Jahrhundert fast auslöschte, stehen manche patagonischen Reben wurzelecht, nie auf ein amerikanisches Unterlagsholz gepfropft. In Mainqué wächst so ein Malbec-Weinberg von 1932. Seine Stöcke stehen seit über neunzig Jahren auf ihren eigenen Wurzeln, und das ist kein Kuriosum für Sammler: Es verändert tatsächlich, wie konzentriert und mineralisch die Trauben schmecken.