
Torrontés & Malbec
Rebsorten
Eine einzige weiße Rebe prägt Cafayate stärker als jede andere: Torrontés Riojano. Fast überall im Tal steht sie neben den roten Malbec-Zeilen, mal auf sandigem Flachland, mal an steilen Terrassen. Ihr Duft nach Rosenblüten und Jasmin lässt sie wie eine süße Traube wirken, obwohl aus ihr fast immer trockener Wein entsteht.
Genetisch ist die Sache kompliziert. Eine DNA-Studie von 2003 im American Journal of Enology and Viticulture klärte die Abstammung. Torrontés Riojano ist eine natürliche Kreuzung aus Moscatel de Alejandría und Criolla Chica, jener Rebe, die spanische Siedler schon im sechzehnten Jahrhundert mitbrachten. Vermutlich geschah das zufällig, irgendwo in einem der frühen Weinberge, wo beide Sorten nebeneinander standen. Zwei Geschwistersorten heißen fast genauso: Torrontés Sanjuanino und Torrontés Mendocino. Beide gelten als weniger fein und wachsen in Salta kaum.
Verwirrend wird es beim Namen selbst. Er kommt aus Galicien und geht auf das galicisch-portugiesische Wort terrantés zurück, ungefähr Rebe des eigenen Bodens. Dort wächst tatsächlich ebenfalls eine Sorte namens Torrontés. Mit der argentinischen Rebe hat sie aber nichts zu tun — reiner Zufall bei der Namenswahl spanischer Siedler.
Neben dem weißen Star wächst die rote Gegenspielerin. Malbec, in seiner extremsten Form, kam schon 1854 mit Isasmendis Tochter aus Frankreich nach Colomé, noch bevor die Reblaus die europäischen Mutterreben vernichtete — die Stöcke in Salta stammen also von vorreblausigem Pflanzgut ab. Heute klettert Malbec bis auf 3.111 Meter, an der Parzelle Altura Máxima von Colomé, einem der höchstgelegenen Weinberge der Welt.
So viel Höhe verändert die Beere selbst. Dünnere Luft lässt mehr ultraviolettes Licht durch, und die Rebe schützt sich mit dickerer, dunklerer Schale und mehr Farbstoff. Malbec aus Salta zeigt deshalb tieferes Violett und mehr Tannin als sein Verwandter aus dem viel tiefer gelegenen Mendoza. Dazu kommt ein Ton nach Veilchen, der in wärmeren Lagen oft verloren geht.