
Iren, Jesuiten, Schraubverschluss
Region & Geschichte
Ein irischer Gutsherr gab dieser Gegend nördlich von Adelaide seinen Namen, lange bevor hier die erste Rebe stand. Edward Burton Gleeson nannte sein Anwesen Inchiquin, nach einem Ort in der irischen Grafschaft Clare. Als er 1842 eine Stadt daneben gründete, taufte er sie kurzerhand um: Clare. Die Reben kamen kurz danach.
Schon 1840 hatte der Entdecker John Horrocks bei Penwortham die ersten Stöcke gesetzt, zwei Jahre bevor die Stadt überhaupt einen Namen trug. Gleeson selbst pflanzte auf seinem Land rund achthundert Reben, mehr aus Neugier als aus Plan. Amtlich zählt Clare Valley seit 1999 als Geographical Indication der Zone Mount Lofty Ranges, eingetragen bei Wine Australia. Was als Versuch begann, wurde zur Lebensgrundlage eines ganzen Tals — heute ziehen sich die Weinberge fünfzig Kilometer weit, von Auburn bis hinter Clare, unterbrochen von Weizenfeldern und Schafweiden.
Neun Jahre später kamen österreichische Jesuiten ins Tal, vertrieben von den Unruhen in Europa. Sie brauchten Messwein für ihre Gemeinde und gründeten 1851 in Sevenhill einen Weinberg, benannt nach den sieben Hügeln Roms. Bis heute presst Sevenhill Cellars in denselben Bruchsteingebäuden — die älteste Kellerei im ganzen Tal, geführt von Priestern, die nebenbei Ministranten unterrichten und Reben schneiden.
Am Südrand des Tals stehen Reben, die älter sind als jede Erinnerung daran, wer sie gepflanzt hat. A. P. Birks legte das Weingut Wendouree 1893 an, Stock für Stock, bis 1920 immer neue Parzellen dazu kamen. Shiraz, Cabernet Sauvignon, Malbec, Mataro und Muskateller wachsen dort ohne Bewässerung, in Büschen statt an Draht, und werden bis heute von Hand gelesen. Tony und Lita Brady übernahmen den zwölf Hektar großen Betrieb 1974. Geändert haben sie kaum etwas.
Der nächste Bruch kam nicht aus dem Weinberg, sondern aus der Flasche. Im Jahr 2000 versiegelte gut ein Dutzend Riesling-Winzer aus Clare Valley ihren gesamten Jahrgang mit einem simplen Schraubverschluss statt mit Kork. Angeführt hat das Jeffrey Grosset aus Auburn. Kritiker nannten es einen Stilbruch für Feinschmecker-Etiketten. Zwanzig Jahre später schraubt halb Australien seine Flaschen zu, und niemand redet mehr über Korkgeschmack.