
Trocken, kühl, verschraubt
Herstellung
Riesling wird hier so nüchtern gekeltert wie kaum eine andere große Weißweinsorte. Die Trauben kommen früh am Morgen von der Presse, oft noch kalt von der Nachttemperatur, und werden schonend gepresst, damit möglichst wenig Bitterstoff aus der Schale in den Saft gelangt. Vergoren wird ausschließlich in Stahltanks bei niedriger Temperatur. Ein neues Holzfass hat hier noch nie etwas zu suchen gehabt.
Ein malolaktischer Abbau, der viele Weißweine weicher macht, wird bewusst unterdrückt. Die scharfe Apfelsäure soll bleiben, statt in die weichere Milchsäure umgewandelt zu werden. Am Ende steht ein Wein, der praktisch ohne Restzucker auskommt, und anders als deutscher Riesling, der oft eine feine Süße behält, bleibt der Clare Valley Riesling bewusst und vollständig trocken.
Der zweite technische Umbruch betrifft nicht den Tank, sondern die Flasche. Seit der Jahrtausendwende versiegeln fast alle Riesling-Betriebe im Tal mit Schraubverschluss statt mit Kork, weil Kork manchmal zufällig oxidiert und den Duft zerstören kann. Unter Schraubverschluss reift der Wein reduktiv, also fast ohne Sauerstoff. Seinen berühmten Petrolton entwickelt er erst nach Jahren im Keller, nicht schon nach Monaten in der Flasche.
Bei den alten Rotweinen läuft fast alles anders. Fast wie vor hundert Jahren. Bei Wendouree wird von Hand gelesen, in offenen Bottichen vergoren und in einer Korbpresse gepresst, einer Technik, die kaum ein anderes australisches Weingut noch nutzt. Der Ausbau erfolgt in großen, alten Holzfässern, die dem Wein Luft geben, aber keinen neuen Holzgeschmack.
So stehen im selben Tal zwei völlig verschiedene Handwerke nebeneinander. Hochmoderne, sterile Riesling-Technik auf der einen Seite, fast archaische Rotwein-Handarbeit auf der anderen. Beide verfolgen dasselbe Ziel — dem Wein möglichst wenig im Weg zu stehen und die Trauben ihre eigene Geschichte erzählen zu lassen.