
Ozean als Kühlschrank
Klima
Auf der Landkarte sieht Margaret River aus wie eine schmale Landzunge zwischen zwei Ozeanen, und genau das ist sie auch. Im Norden und Westen drückt der Indische Ozean gegen die Küste, im Süden der Südliche Ozean, und beide treffen sich nahe Kap Leeuwin an der Landspitze. Sie gibt der Region ihren zweiten Namen: Leeuwin-Naturaliste.
Das Wasser rundherum bremst jeden Temperatursprung. Zwischen Tag und Nacht liegen hier oft nur wenige Grad Unterschied, während im australischen Osten zwanzig Grad Schwankung normal sind. Die Reben reifen dadurch langsam und gleichmäßig, ohne die Hitzespitzen, die anderswo die Säure aus der Beere kochen.
Regen fällt vor allem im Winter, zwischen Mai und August, insgesamt rund tausend Millimeter im Jahr, mehr als in Bordeaux. Der Sommer dagegen bleibt trocken, und genau in dieser Trockenheit liegt der Trick: Die Reben müssen sich kaum gegen Pilzbefall wehren. Sie reifen in Ruhe bis tief in den Herbst hinein.
Nachmittags kommt fast täglich derselbe Wind vom Meer, kühl und beständig. Winzer nennen ihn ihre natürliche Klimaanlage. Er hält die Aromen in der Beere fest, die bei anhaltender Hitze einfach verdunsten würden, und schafft die lange, ruhige Reifezeit. Selbst ein spät reifender Cabernet Sauvignon erreicht so die volle Reife.
Innerhalb der Region macht die Entfernung zum Zusammenfluss der beiden Ozeane den Unterschied. Wilyabrup im Norden liegt etwas weiter von der kühlenden Südküste entfernt und damit näher an der Wärme, die kräftige rote Cuvées braucht. Wallcliffe im Süden, direkt über dem Treffpunkt der Meere, bleibt kühler und gibt weißen Sorten zusätzliche Wochen am Rebstock. Genau die brauchen sie für ihre Säure.