
Alte Buschreben, trocken
Herstellung
Draht und Pfahl sucht man hier vergeblich, denn die ältesten Grenache-Stöcke von McLaren Vale wachsen als Buschrebe frei im Feld, ganz ohne Gerüst, ohne Stützen und ohne jede moderne Technik, so wie vor über hundert Jahren. Die Trott-Familie bewirtschaftet in Blewitt Springs bis heute solche Buschreben, die vor über siebzig Jahren gepflanzt wurden. Mittlerweile pflegt sie die dritte Generation, ganz ohne jede Bewässerung, so wie es der Großvater schon getan hat.
Die Rebe sucht sich ihr Wasser dabei komplett selbst. Im Englischen nennt man das dry-grown, trocken angebaut. Eine solche Rebe trägt weniger, aber konzentriertere Trauben. Ein Hektar alter Buschreben liefert oft nur ein Drittel dessen, was eine junge Anlage bringt.
2012 änderte sich für die Region einiges. McLaren Vale wurde die erste Weinregion Australiens, deren Winzer sich geschlossen ein eigenes Nachhaltigkeits-Programm gaben, lange vor den meisten Nachbarn. Seit 2019 gehört das zum landesweiten System Sustainable Winegrowing Australia, entwickelt gemeinsam mit dem Australian Wine Research Institute. Fast die Hälfte der Weinberge wird inzwischen mit aufbereitetem Abwasser bewässert, statt mit dem knappen Trinkwasser der Stadt.
Etwa 38 Prozent der Rebflächen sind heute biologisch oder biodynamisch zertifiziert, deutlich mehr als im australischen Durchschnitt üblich. Bei Chapel Hill etwa wächst der Vicar-Shiraz nach biodynamischen Grundsätzen, mit Kompost-Präparaten statt mit synthetischem Dünger im Boden. Wie viel davon Wissenschaft ist, bleibt umstritten, aber im Weinberg selbst hat es McLaren Vale jedenfalls sauberer gemacht. Alte Reben verzeihen trotzdem nichts.