
Kühlste Insel
Klima
Kein australisches Weingebiet liegt kühler. Tasmaniens mittlere Januartemperatur liegt bei etwa 15,6 Grad und damit niedriger als in jeder anderen Weinregion des Kontinents, ein Wert, der näher an der Champagne liegt als an Adelaide. Verantwortlich sind die Roaring Forties, jene beständigen Westwinde, die zwischen dem vierzigsten und fünfzigsten Breitengrad um den Globus fegen und ungebremst von Patagonien bis hierher wehen, bevor sie überhaupt wieder auf Land treffen: Tasmanien.
Geerntet wird spät und über Monate verteilt. Die ersten Trauben für Schaumwein kommen Ende Februar von den Reben, die Sorten für stille Weine folgen erst im April oder sogar Mai. Nirgendwo sonst in Australien zieht sich die Lese so lange hin. Der Grund liegt in kühlen Nächten, die den Zuckeraufbau bremsen, während die Säure erhalten bleibt.
Doch Tasmanien ist nicht überall gleich kühl oder gleich nass. Im Coal River Valley, geschützt hinter dem Bergrücken des Eastern Tier, fällt kaum mehr als fünfhundert Millimeter Regen im Jahr, trockener als in weiten Teilen Südaustraliens. An der Westküste, direkt im Wind der Roaring Forties, kommt ein Vielfaches davon herunter. Zwischen den beiden Küsten liegen, auf wenigen Autostunden Entfernung, vollkommen verschiedene Weinklimate.
Diese Spannbreite erklärt, warum ein tasmanischer Chardonnay so anders schmecken kann als der nächste. Ein Wein aus dem trockenen Coal River Valley reift zuverlässig durch. Einer von der feuchten Westseite kämpft in manchen Jahren um jede Sonnenstunde. Winzer sprechen deshalb selten vom tasmanischen Klima. Sie meinen fast immer einen bestimmten Ort.