
Sandstein & Dolerit
Böden
Grab ein Loch im Coal River Valley, und du kommst schnell an Stein. Unter einer dünnen Krume aus dunklem, tonigem Boden, den Fachleute Dermosol nennen, liegt verwitterter Sandstein aus der Trias, mehr als zweihundert Millionen Jahre alt und mürbe genug, dass Wurzeln sich hindurcharbeiten. Kleinere Beeren sind die Folge. Und in einer kleinen Beere steckt im Verhältnis mehr Schale, mehr Farbe, mehr Tannin.
Ganz anders sieht es gut hundert Kilometer nördlich aus, in Pipers River. Dort liegt statt hellem Sandstein ein sattes, rotbraunes Gestein aus erloschenen Vulkanen, ein sogenannter Ferrosol, reich an Eisen und deshalb so kräftig gefärbt. Beide Böden sind alt, der eine marin, der andere vulkanisch. Trotzdem trinkt sich ein Chardonnay von hier ganz anders als einer von dort.
Wasser ist der eigentliche Unterschied, nicht die Farbe. Der Sandstein im Coal River Valley lässt Regen rasch durch und hält kaum etwas zurück, weshalb die Reben schon im Hochsommer nach Feuchtigkeit graben müssen. Der Ferrosol in Pipers River speichert dagegen mehr, gibt es aber auch wieder ab. Er bleibt dabei feinkrümelig und locker, wie es vulkanische Böden oft sind.
Auf einigen der höher gelegenen Parzellen im Coal River Valley kommt eine dritte Schicht hinzu: Dolerit. Das dunkle, säulenartige Gestein formt auch die Gipfel rund um Hobart. Es ist hart, kaum wasserdurchlässig und zwingt die Wurzeln, seitlich statt in die Tiefe zu wachsen. Wo es ansteht, wird der Wein oft dichter und straffer.
Mehr noch als anderswo in Australien zählt hier die Entwässerung. Die Insel bekommt genug Regen, dass ohne durchlässigen Untergrund die Reben ins Blattwachstum statt in die Traube investieren würden. Sandstein und Dolerit erledigen diese Arbeit auf unterschiedliche Weise, aber beide erledigen sie zuverlässig. Der Ferrosol in Pipers River braucht dafür sogar noch feinere Drainagegräben, weil er von Natur aus mehr Wasser hält.
Dunkler, toniger Oberboden mit wenig organischer Substanz. Im Coal River Valley oft nur eine Handbreit dick.
Die Wurzel: Hier sitzen die Feinwurzeln, die den seltenen Regen sofort aufnehmen, bevor er versickert.