Rebsorten in der Region Aconcagua

Cabernet und Carmenère

Rebsorten

Eine Sorte trägt hier die Fahne, und ihr Name klingt in jeder Sprache gleich: Cabernet Sauvignon. Fast ein Drittel der rund tausend Hektar Reben im Valle de Aconcagua trägt diese Sorte, mehr als jede andere. Sie mag die Hitze am Tag und die kühlen Nächte, die von den Anden herunterziehen. Genau dieses Klima liefert ihr, was sie braucht: dicke Schalen, feste Tannine, Frucht, die nach schwarzer Johannisbeere und Zeder schmeckt.

Fast ebenso wichtig ist eine Rebe, die in Europa fast ausgestorben ist. Carmenère kam im 19. Jahrhundert mit denselben Bordeaux-Stecklingen wie der Cabernet nach Chile und wurde jahrzehntelang mit Merlot verwechselt, weil beide Blätter fast identisch aussehen. Erst 1994 zeigte eine Untersuchung, dass in vielen chilenischen Merlot-Parzellen tatsächlich die verschollene Bordeaux-Sorte stand. Sie reift spät und braucht Wärme bis in den Herbst hinein. Im Tal um Panquehue bekommt sie genau diese Zeit. Im Glas riecht sie nach roter Paprika und dunkler Schokolade.

Ein Stück näher am Pazifik zeigt sich ein ganz anderes Bild. Errázuriz begann Ende der Neunzigerjahre, Rebflächen in Aconcagua Costa anzulegen, nahe der Küste und deutlich kühler als die Kernzone um Panquehue. Dort reift Syrah langsamer und behält mehr Pfeffer und schwarze Olive in der Nase, während er im warmen Inland eher nach Pflaume und Lakritz schmeckt. Auf denselben kühlen Lagen wachsen Sauvignon Blanc und Chardonnay, die im heißen Talgrund kaum eine Chance hätten.

Wie ernst man das Bordeaux-Erbe hier nimmt, zeigt Seña, das Gemeinschaftsprojekt von Errázuriz und Robert Mondavi aus dem Jahr 1995. Seine zweiundvierzig Hektar Reben liegen vierzig Kilometer vom Pazifik entfernt, in den Hügeln über Ocoa. Sein Verschnitt zieht aus sechs Rebsorten, die alle aus dem Bordelais stammen: Cabernet Sauvignon, Carmenère, Merlot, Cabernet Franc, Petit Verdot und Malbec, jede für einen anderen Teil des Geschmacks zuständig. Keine dieser Sorten dominiert für sich allein. Zusammen ergeben sie einen Wein, der mehr kann als jede einzelne Sorte für sich.

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