
Errázuriz und Panquehue
Region & Geschichte
1870 kaufte ein junger Chilene mit spanischen Wurzeln Land in Panquehue, mitten im Tal des Río Aconcagua. Don Maximiano Errázuriz hatte in Frankreich studiert. Von dort brachte er Stecklinge mit, die es in Chile noch nicht gab: Cabernet Sauvignon, Merlot, Carmenère, Sauvignon Blanc, Sémillon, alles aus dem Bordeaux der Zeit vor der Reblaus. Er baute keinen gewöhnlichen Weinberg. Er baute ein Gut nach französischem Vorbild, mit einem unterirdischen Kellergewölbe, das bis heute unter Panquehue liegt und schon fünf Erdbeben überstanden hat.
Vierzehn Jahre dauerte der Bau der Bodega, weil Errázuriz auf einen französischen Önologen hörte und nichts überstürzte. Das zahlte sich aus. Schon in den 1870er-Jahren galt der Wein aus Panquehue als einer der besten Südamerikas, lange bevor irgendjemand von chilenischem Wein sprach, ohne dabei die Stirn zu runzeln.
Ein Jahrhundert später bekam diese Herkunft auch ein Gesetz. 1994 erließ Chiles Landwirtschaftsministerium das Dekret Nr. 464. Es teilt die Weinbaugebiete des Landes in Regionen und Unterregionen und legt fest, wann ein Etikett den Namen eines Tals tragen darf: mindestens fünfundsiebzig Prozent der Trauben müssen von dort stammen, geprüft vom Servicio Agrícola y Ganadero, kurz SAG. Aconcagua wurde eine eigene Region mit der Unterregion Valle de Aconcagua, getrennt von Casablanca, dem kühleren Nachbarn näher am Meer, mit dem es bis heute oft verwechselt wird.
Der nächste große Moment kam am 23. Januar 2004, in einem Hotel in Berlin. Eduardo Chadwick, Nachfahre der Gründerfamilie und heutiger Besitzer von Errázuriz, lud sechsunddreißig europäische Kritiker zu einer Blindverkostung. Seña 2001 aus Panquehue schlug dort Château Lafite 2000 und Château Margaux 2001. Von da an redete die Weinwelt anders über Chile, ernsthafter und mit weniger Herablassung. Ein Dorf mit ein paar tausend Einwohnern hatte gerade Bordeaux geschlagen.