
Sauvignon Blanc voran
Rebsorten
Zwei weiße Sorten bestimmen fast alles in Casablanca. Sauvignon Blanc und Chardonnay teilen sich die größte Fläche, und je nachdem, welche Statistik man liest, wechselt die Reihenfolge zwischen beiden, beide aber verdanken ihren Ruf demselben kühlen Morgennebel, der jeden Tag durchs Tal zieht. Wer an Casablanca denkt, denkt an eines von beiden.
Grapefruit, nicht Stein, ist der erste Eindruck. Ein Casablanca-Sauvignon-Blanc riecht nach Passionsfrucht und nach jenem grünen Ton, der an schwarze Johannisbeerblätter erinnert, während im Mund eine Säure wartet, die fast beißt. Diese Schärfe kommt vom Nebel. Je länger eine Traube im camanchaca-Nebel braucht, desto mehr Säure bleibt am Ende erhalten, bevor die Nachmittagssonne den Zucker hochtreibt und die Frische wieder wegnimmt.
Lange wusste niemand, welche Rebe hier eigentlich wuchs. Bis in die Neunzigerjahre trugen viele Weinberge in Wahrheit Sauvignonasse, eine mildere, unauffälligere Verwandte aus Friaul, die jahrzehntelang für echten Sauvignon Blanc gehalten wurde, bis DNA-Tests den Irrtum aufdeckten. Danach wurde nachgepflanzt. Heute gilt dieser Wechsel als einer der Gründe, warum chilenischer Sauvignon Blanc international überhaupt ernst genommen wird.
Chardonnay kam mit derselben Pflanzung ins Tal und bekam schnell sein eigenes Profil. Zitrusfrucht, grüner Apfel, ein Hauch Vanille aus dem Fass, die satte Tropenfrucht wärmerer Täler fehlt ihm fast völlig. Ein Teil reift im Fass. Der Rest bleibt im Stahltank, damit die Frische erhalten bleibt.
Rot ist hier die Ausnahme. Pinot Noir belegt nur die drittgrößte Fläche, liefert aber helle, duftige Weine mit roter Kirsche, Granatapfel und einer floralen Note nach Veilchen, für die vor allem die Kingston Family in Lo Ovalle bekannt ist. Syrah schmeckt kühler und würziger. Schwarzer Pfeffer und Olive stehen hier statt praller Südfrucht, dazu wachsen ein paar Hektar Riesling und Gewürztraminer, Relikte aus Morandés allererster Pflanzung von 1982.