Region & Geschichte in der Region Casablanca

Morandés kalte Wette

Region & Geschichte

Wo heute Sauvignon Blanc wächst, weideten bis in die Achtzigerjahre Schafe. Casablanca lag zwischen Santiago und Valparaíso, ein Landstrich mit Weizenfeldern und Viehweiden. Wein baute hier niemand an, denn die Winzer des Landesinneren kannten diesen Küstenstreifen nur als kalt und launisch. Die schützende Küstenkordillere fehlte an dieser Stelle, und die feuchte, kühle Luft vom Pazifik zog deshalb ungehindert bis weit ins Tal hinein.

1982 sah der Konzern-Winzer Pablo Morandé etwas, das sonst niemand sah. Er arbeitete damals als Chefönologe bei Concha y Toro und kannte die kühlen Küstenlagen Kaliforniens aus eigener Anschauung, vor allem das Tal von Carneros. In den welligen Hügeln von Tapihue, mitten in Casablanca, erkannte er dieselbe kühle Meeresnähe wieder. Er pachtete dort Land und pflanzte zwanzig Hektar Chardonnay, Riesling und eine Rebe, die damals jeder für Sauvignon Blanc hielt. Kollegen nannten ihn verrückt. Der erste Frost zerstörte die jungen Reben fast vollständig, noch bevor sie überhaupt Trauben trugen. Morandé pflanzte neu.

Nach drei Jahren kam die Ernte, die alles veränderte. Der Chardonnay aus dem kühlen, nebligen Tal schmeckte frisch und hatte eine Säure, wie man sie im warmen Landesinneren nie erreichte. Plötzlich wollte jeder wissen, wie ein Wein von der chilenischen Küste schmeckt. Innerhalb weniger Jahre folgten San Antonio, Leyda und andere Küstentäler dem Beispiel von Casablanca, und aus einer Schafweide wurde das, was man heute Chiles kühle Revolution nennt.

Am 14. Dezember 1994 erhielt das Tal seinen eigenen Namen im Gesetz: Decreto de Agricultura Nr. 464 schuf die Denominación de Origen Valle de Casablanca. Verwaltet wird sie bis heute vom Servicio Agrícola y Ganadero, kurz SAG. Auf dem Papier gehört Casablanca zur größeren Weinregion Aconcagua, mit dem warmen Aconcagua-Tal im Landesinneren hat es klimatisch aber kaum etwas gemeinsam.

Zur gleichen Zeit begann am anderen Ende des Tals eine zweite Geschichte. Die Kingston Family stammt von einem amerikanischen Kupferminenarbeiter ab, der 1906 nach Chile kam und statt Gold nur eine Rinderfarm bei Lo Ovalle fand. Ihre Nachfahren pflanzten Anfang der Neunzigerjahre die ersten Reben und keltern heute einige der gefragtesten Pinot Noirs des Landes.

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