
Ochagavía bis Almaviva
Region & Geschichte
Wein wuchs am Fuß der Anden schon lange, bevor er berühmt wurde. Spanische Siedler brachten im 16. Jahrhundert die robuste Rebsorte País mit, gedacht für einfachen Alltagswein und nicht für den Weltmarkt. Das änderte sich 1851 mit einem einzigen Mann. Silvestre Ochagavía Errázuriz, Bergbau-Unternehmer und Großgrundbesitzer, reiste nach Frankreich und sah dort die Güter des Bordelais. Auf dem Rückweg brachte er französische Reben mit, Cabernet Sauvignon, Malbec, Merlot, Pinot, Riesling, Sauvignon Blanc und Sémillon, dazu einen französischen Agronomen, der ihm beim Anbau half.
Andere Großgrundbesitzer im Maipotal folgten seinem Beispiel rasch. Matías Cousiño kaufte bereits 1856 die Hacienda Macul. Sein Sohn Luis ließ dort später, gemeinsam mit dessen Frau Isidora Goyenechea, die ersten Kellergewölbe aus Stein bauen. Domingo Fernández Concha gründete 1880 Santa Rita. Melchor Concha y Toro folgte 1883 mit der Weinkellerei, die bis heute seinen Namen trägt. Während die Reblaus in diesen Jahrzehnten die Weinberge Europas verwüstete, blieb Chile verschont. Wüste im Norden, Ozean im Westen, die Anden im Osten und Packeis im Süden hielten den Schädling fern, bis heute.
Ein Jahrhundert lang wusste hier trotzdem niemand genau, was in den Weinbergen stand. Die aus Bordeaux mitgebrachte Sorte Carmenère wurde überall für Merlot gehalten, verwechselt wegen fast identischer Blätter und Trauben. Erst im November 1994 entdeckte der französische Ampelograph Jean-Michel Boursiquot bei einem Rundgang durch Weinberge in Maipo den Unterschied: einen leicht verdrehten Staubfaden an der Blüte, ein winziges Detail, das eine ganze Rebsorte zurückbrachte. In Frankreich war Carmenère nach der Reblaus fast verschwunden, weil sie auf den neuen amerikanischen Unterlagsreben kaum noch Früchte ansetzte. In Chile hatte sie sich, unerkannt, längst über das ganze Land verteilt.
Die Neuzeit des Tals beginnt 1987, mit dem ersten Jahrgang von Don Melchor. Concha y Toro wollte beweisen, dass ein einzelner Weinberg in Puente Alto einen Cabernet Sauvignon von Weltrang tragen kann. Gekeltert wurde er von Önologe Enrique Tirado, zusammen mit den französischen Beratern Jacques und Éric Boissenot. Zehn Jahre später kam Almaviva dazu, ein gemeinsames Projekt von Concha y Toro und Baron Philippe de Rothschild aus Bordeaux. Der Name geht auf eine Figur aus Beaumarchais' „Figaros Hochzeit“ zurück. Zwei Weine, eine Botschaft: Das Tal, das seine wichtigste Rebsorte hundert Jahre lang übersehen hatte, gehörte nun zur Weltspitze.