Rebsorten in der Region Maule

País trifft Carignan

Rebsorten

Zwei Rebsorten erzählen die ganze Geschichte dieses Tals. País kam im sechzehnten Jahrhundert mit den Missionaren, wuchs schnell, brachte viel Ertrag und ergab hellen, säurebetonten Wein für den täglichen Gebrauch, nie für die Ewigkeit gedacht. Ihre Beeren sind dünnschalig und blass, deshalb bleibt der Wein oft fast durchsichtig. Getrunken wurde sie jung und ungefiltert. Bis heute füllen Bauern sie so als Pipeño ab, direkt aus dem Fass, ohne viel Aufhebens.

Carignan kam später und aus einem ganz anderen Grund: Das Landwirtschaftsministerium verteilte die Sorte nach dem Erdbeben von 1939, um dem dünnen País mehr Säure, Farbe und Tannin beizumischen. Ursprünglich stammt sie aus der Gegend von Cariñena in Aragonien und wanderte über Südfrankreich bis nach Chile. Sie reift spät und braucht viel Sonne. Auf dem Granit von Cauquenes, unbewässert und als Buschrebe erzogen, wird daraus trotzdem ein enorm konzentrierter Wein.

Zwölf Weingüter bauten darauf die Regeln von VIGNO. Mindestens fünfundsechzig Prozent Carignan aus mindestens dreißig Jahre alten, unbewässerten Buschreben schreibt der Verein vor, und der Rest darf aus anderen alten Sorten wie País, Cinsault oder Garnacha stammen. Alle Partner müssen aus demselben trockenen Hügelland kommen, dem Secano Interior. So bleibt jede Flasche ein Feldstück aus lauter Überlebenden.

Nicht jede Rebe in Maule lebt so genügsam. Unten im bewässerten Talboden, entlang der Flüsse Claro und Loncomilla, steht heute vor allem Cabernet Sauvignon, mehr Fläche als jede andere Sorte der ganzen Region. Merlot und Chardonnay füllen die Lücken. Zwei Weinbaustile liegen hier nur wenige Kilometer auseinander, und sie schmecken komplett verschieden voneinander.

Wer beide nebeneinander verkostet, versteht Maule auf einen Schlag. Der eine Wein kommt aus der Bewässerungsleitung und schmeckt nach Fülle und Frucht. Der andere kämpft sich durch trockenen Sommer und Granit und schmeckt danach: nach Anstrengung, nach Kräutern, nach etwas Salzigem am Ende. Beide tragen denselben Regionsnamen und könnten kaum unterschiedlicher sein.

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