
Regen von Süden
Klima
Maule liegt rund zweihundertfünfzig Kilometer südlich von Santiago, und diese Entfernung entscheidet über den Charakter der Weine. Es regnet hier deutlich mehr als im berühmteren Maipo weiter nördlich, im Schnitt gut siebenhundert Millimeter im Jahr. Fast der ganze Regen fällt zwischen Mai und August. Von November bis März bleibt der Himmel trocken, Woche für Woche, manchmal Monat für Monat.
Genau dieser trockene Sommer macht die Weinberge von Cauquenes möglich. Die Reben leben dort ausschließlich vom Wasser, das der Winter in den Boden gedrückt hat, Bewässerung gibt es im Secano Interior schlicht nicht. Ein Schlauch fehlt völlig. Eine Rebwurzel, die keinen Schlauch neben sich hat, wächst tief, und tiefe Wurzeln finden auch im trockensten Februar noch etwas Feuchtigkeit.
Der Küstengebirgszug filtert dabei, statt zu blockieren. Er ist in Maule niedriger und stärker durchbrochen als weiter nördlich, deshalb dringt kühle, feuchte Luft vom Pazifik über die Flusstäler von Claro und Loncomilla weit ins Landesinnere vor. Nachts sinken die Temperaturen spürbar, und diese Kühle bewahrt die Säure in den Beeren, während der Tag noch Wärme für die Reife liefert.
Nicht jedes Jahr verläuft gleich. Ein einziger nasser Winter kann die Weinlese um Wochen verschieben, ein trockener dagegen zwingt selbst alte Buschreben in einen Notzustand, aus dem sie sich kaum erholen. Seit den Zweitausenzehnerjahren fällt in Zentralchile insgesamt spürbar weniger Regen, Klimaforscher nennen das inzwischen eine Megadürre. Für unbewässerte Weinberge ist das keine abstrakte Zahl, sondern die Frage, ob die nächste Ernte überhaupt lohnt.
Im Februar 2017 zeigte sich die andere Seite trockener Sommer. Riesige Waldbrände liefen tagelang durch die Hügel von Maule und den Nachbarregionen, befeuert von Hitze, Wind und genau jener Trockenheit, die sonst den Carignan reifen lässt. Ganze Hänge verschwanden im Rauch. Weinberge blieben von Rauch umhüllt, manche brannten ganz ab. Wer heute durch das Secano Interior fährt, sieht zwischen den alten Reben noch immer verkohlte Baumstümpfe.