
Schiefer & Grauwacke
Böden
Grab an einem steilen Ahrhang ein Loch, und du kommst nicht weit. Schon nach wenigen Spatenstichen stößt du auf Gestein: dünne, dunkle Platten, die beim Herausheben leicht zerbrechen. Das ist Tonschiefer aus dem Unterdevon, mehr als 380 Millionen Jahre alt.
Entstanden ist er am Grund eines Urmeeres. Feiner Schlamm setzte sich Schicht für Schicht ab und wurde zusammengepresst. Später, als sich das Rheinische Schiefergebirge auffaltete, kippte er aus der Horizontalen. Die Fachleute nennen die hier verbreitete Formation Rauhflaser-Schiefer, benannt nach ihrer rauen, faserigen Bruchfläche.
Direkt daneben, oft in derselben Parzelle, liegt Grauwacke — ein grobkörniger, harter Sandstein, ebenfalls aus dem Unterdevon, aber deutlich widerstandsfähiger als der weiche Schiefer darüber. Beide Gesteine zusammen bauten die Trockenmauern, die das Tal terrassieren. Von Hand geschichtet, ohne Mörtel, manche davon seit dem Mittelalter.
Eine Ausnahme steht bei Heimersheim: die Landskrone, ein erloschener Vulkankegel der Eifel mitten im Schiefertal. An seinem Fuß wachsen seit Jahrhunderten Reben. Basaltböden wie dort sind in der Ahr selten, aber sie zeigen, wie unruhig der Untergrund über die Jahrmillionen wirklich war.
Für die Rebwurzel ist der Schiefer eine Zumutung und ein Segen zugleich. Nährstoffe hält er kaum, Wasser lässt er schnell durchsickern, also treibt die Wurzel tief zwischen die Platten, auf der Suche nach beidem. Das bremst den Wuchs, verkleinert die Beeren und konzentriert Farbe und Tannin in der Schale — genau das, was ein Spätburgunder von diesem kargen Boden braucht, um nicht dünn zu schmecken.
Dünne dunkle Auflage aus verrottetem Laub und Wurzelresten, an einem steilen Ahrhang selten mehr als eine Handbreit tief.
Die Wurzel: Hier sitzen die Feinwurzeln. Sie holen, was der Regen gerade bringt, und sind als Erste trocken, wenn tagelang die Sonne brennt.