
Schutz und Speicher
Klima
Fünfzig Grad dreißig nördlicher Breite. Auf dieser Höhe wächst sonst kaum noch roter Wein von Rang, doch an der Ahr reift hier trotzdem zuverlässig Spätburgunder — dank einer Kombination aus Schutz und Speicher, die man so kein zweites Mal in Deutschland findet.
Den Schutz liefert die Eifel. Sie fängt die feuchten Westwinde ab, bevor sie das enge Ahrtal erreichen. Dahinter liegt ein Regenschatten, der die Niederschlagsmenge auf rund 650 Millimeter im Jahr drückt — spürbar trockener als in den meisten anderen deutschen Anbaugebieten. Etwa 1.400 bis 1.450 Sonnenstunden kommen im langjährigen Mittel zusammen. In besonders guten Jahren wie 2003 waren es fast 2.000.
Den Speicher liefern die Steine selbst. Schiefer und Grauwacke, aus denen die steilen Hänge bestehen, heizen sich tagsüber in der prallen Sonne auf. Nachts geben sie die Wärme langsam wieder ab, fast wie eine Fußbodenheizung unter den Reben. Ohne diesen Effekt läge die Jahresmitteltemperatur von knapp zehn Grad in Bad Neuenahr zu niedrig, um Spätburgunder hier verlässlich reifen zu lassen.
Wie stark die einzelne Lage entscheidet, zeigt ein Weinberg oberhalb von Walporzheim. Er liegt auf etwa 150 Metern und blickt nach Süden bis Südosten zur Ahr hinunter. An manchen Stellen fällt er mit fünfzig Prozent Gefälle ab — so steil, dass Maschinen dort nichts verloren haben. Wer hier arbeitet, tut es mit der Hand oder gar nicht.
Kalte Luft sammelt sich in einem engen Tal wie diesem gern am Boden. Frost im Frühling ist deshalb eine ständige Sorge. Die Steilhänge helfen auch hier: Kalte Luft fließt an ihnen wie Wasser nach unten ab und sammelt sich im Talgrund. Die Reben oben am Hang bleiben meist verschont. Wer im flachen Tal pflanzt, riskiert mehr — deshalb liegen die besten Lagen fast immer oben.