
Kloster, Markgraf, Genossenschaft
Region & Geschichte
Pirmin gründete 724 ein Kloster auf der Reichenau. Die Mönche dort bauten schon ab 818 eigenen Wein an, mitten im Frankenreich, lange bevor es ein Land namens Baden überhaupt gab. Nicht weit davon, im Dorf Bodman, soll ein Urenkel Karls des Großen im Jahr 884 die ersten Burgunderreben gepflanzt haben, in einem Weingarten, der der Überlieferung nach als ältester der Welt gilt. Beweisen lässt sich das heute nicht mehr.
Fast tausend Jahre später setzte ein Markgraf ein zweites Zeichen. 1782 ließ Karl Friedrich von Baden am Schloss Staufenberg in Durbach über zweitausend Riesling-Stöcke pflanzen, sortenrein, ohne die sonst übliche Mischung aus Rotem und Weißem, und schuf damit die erste reinsortige Rebanlage Badens überhaupt. Der Hang heißt bis heute Klingelberg. Die Durbacher nennen ihren Riesling seitdem Klingelberger.
Um den Gutedel im Markgräflerland rankt sich eine ganz ähnliche, aber deutlich unsicherere Geschichte. Angeblich brachte derselbe Karl Friedrich 1780 Stecklinge aus dem Schweizer Vevey mit an den Oberrhein, doch Urkunden dafür gibt es keine, und im Dorf Ebringen wuchs die Sorte laut Kirchenbüchern schon 1740, vierzig Jahre früher. Die Legende hält sich trotzdem. Sie passt zu gut zu einem Landesherrn, der seinen Wein ernst nahm.
Im 19. Jahrhundert zerfiel das Land in immer kleinere Parzellen, jedes Mal aufs Neue zerschnitten, bis ein einzelner Weinberg am Ende einem ganzen Dutzend Besitzer gehören konnte, jeder mit nur ein paar hundert Stöcken. Dagegen half nur eines: der Zusammenschluss. 1952 gründeten badische Winzergenossenschaften in Breisach eine gemeinsame Zentralkellerei. Daraus wurde die Genossenschaft Badischer Winzerkeller, heute die größte Weinkellerei Europas.
Baden als ein einziges Anbaugebiet gibt es erst seit dem Weingesetz von 1971. Davor waren Tauberfranken, Kraichgau, Kaiserstuhl, Markgräflerland und die anderen Landschaften eigenständige, lose verbundene Weinbaugegenden, jede mit eigenem Namen und eigenen Regeln. Seit der Zusammenlegung teilen sie sich einen Namen über vierhundert Kilometer Luftlinie. Einzigartig bleibt Baden trotzdem: als einziges deutsches Gebiet liegt es in der wärmeren EU-Weinbauzone B, zusammen mit dem Elsass.