Region & Geschichte in der Region Franken

Main, Klöster, Bocksbeutel

Region & Geschichte

Karl der Große besaß in Franken eigene Weinberge. Zwei Schenkungsurkunden aus seiner Zeit sind die ältesten schriftlichen Belege für Weinbau hier. Die erste stammt aus dem Jahr 777 in Hammelburg, die zweite zwei Jahre später aus Würzburg. Rebstöcke standen an den Hängen über dem Main, lange bevor irgendjemand Sangiovese oder Riesling kannte. Zwölfhundert Jahre später steht ein Teil dieser Reben noch immer an denselben Hängen.

Im Mittelalter wuchs daraus das größte Weinbaugebiet im Heiligen Römischen Reich nördlich der Alpen — bis zu vierzigtausend Hektar, mehr als das Sechsfache der heutigen Fläche. Klöster und Fürstbischöfe bauten den Wein an, verkauften ihn und finanzierten damit Kirchen, Spitäler und Kriege. Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn gründete 1576 das Juliusspital, eine Stiftung für Kranke und Bedürftige. Ihr Weingut bewirtschaftet bis heute eigene Lagen und trägt mit dem Ertrag die Stiftung weiter, genau wie zur Gründungszeit. Wenige Institutionen verbinden Nächstenliebe und Weinbau so direkt.

Der Bocksbeutel selbst entstand aus einem Betrugsfall. Gaststättenbetreiber verkauften im achtzehnten Jahrhundert billigen Wein unbekannter Herkunft als edlen Frankenwein, und der Ruf des echten Steinweins litt darunter. 1728 beschloss der Würzburger Stadtrat deshalb, den Wein vom Würzburger Stein nur noch in einer bauchigen, versiegelten Flasche auszuliefern — dem Bocksbeutel. Ob eine ältere Darstellung auf der Stiftungsurkunde des Juliusspitals aus dem Jahr 1576 schon dieselbe Form zeigt, ist unter Fachleuten umstritten. Sicher ist nur: Seit 1989 ist die Form EU-weit geschützt, und fast ausschließlich Franken und ein kleiner Teil Badens dürfen sie noch befüllen.

Dann kam der Absturz, gleich zweimal. Die Säkularisation entzog um 1803 den Klöstern ihren Landbesitz, und um die Jahrhundertwende fraß sich die Reblaus durch die verbliebenen Weinberge. Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts waren von einst vierzigtausend Hektar noch etwa zweitausend übrig, ehe die Fläche ab den Siebzigerjahren langsam und stetig wieder wuchs, bis sie sich mehr als verdreifachte. Heute stehen rund 6.040 Hektar unter Reben, verteilt auf über zweihundert Einzellagen zwischen Aschaffenburg und Schweinfurt.

Ein Datum bleibt hängen: der sechste April 1659. An diesem Tag ließ die Grafenfamilie in Castell die ersten Silvaner-Reben Deutschlands pflanzen, damals noch unter dem Namen Österreicher gehandelt. Aus dieser einen Pflanzung wurde die Sorte, die Franken bis heute prägt wie keine andere Region. Alles Weitere folgt daraus.

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