
Silvaner & Domina
Rebsorten
Eine Sorte bestimmt Franken fast so stark wie Sangiovese die Toskana: der Silvaner. Er steht auf gut einem Viertel der fränkischen Rebfläche, mehr als jede andere Sorte. Dabei schmeckt er zurückhaltender als die meisten weißen Sorten — dezent nach grünem Apfel, manchmal nach Kräutern, selten laut. Genau diese Ruhe im Glas gilt vielen als sein größtes Talent.
Am sechsten April 1659 pflanzte die Grafenfamilie von Castell die ersten Silvaner-Reben Deutschlands, damals noch Österreicher genannt. Von dort aus verbreitete sich die Sorte über ganz Franken. Heute reift sie auf den Kalkböden des Maindreiecks zu Weinen, die international als Referenz gelten — dicht, salzig im Abgang, ohne dass ihnen die Frucht fehlt.
Knapp dahinter liegt Müller-Thurgau, mit rund dreiundzwanzig Prozent fast gleichauf. Die Sorte reift früh, bringt zuverlässig Ertrag und schmeckt leicht nach Muskat und Wiesenblumen — unkompliziert, aber selten aufregend. Bacchus, eine aromatische Kreuzung aus dem zwanzigsten Jahrhundert, folgt mit rund zwölf Prozent der Fläche. Sie riecht oft nach schwarzer Johannisbeere und frisch gemähtem Gras.
Rot ist hier die Ausnahme, aber eine mit eigenem Gesicht. Domina, gezüchtet 1927 aus Portugieser und Spätburgunder, wächst fast nirgendwo sonst — von rund vierhundert Hektar Deutschlands stehen über achtzig Prozent in Franken. Sie ergibt dunkle, gerbstoffreiche Weine mit Kirscharoma. Spätburgunder selbst, die internationale Sorte hinter Pinot Noir, kommt auf knapp fünf Prozent und wächst am liebsten dort, wo Buntsandstein statt Kalk im Boden liegt.
Riesling bleibt mit etwa fünfeinhalb Prozent ein Nischenspieler. Er blüht aber genau dort auf, wo Silvaner glänzt: in Steillagen wie dem Escherndorfer Lump. Am Ende zeigt die Statistik ein klares Bild. Rund dreiundachtzig Prozent aller Reben in Franken tragen weiße Trauben, und keine andere deutsche Region hängt so sehr an einer einzigen Sorte wie Franken am Silvaner.