Region & Geschichte in der Region Mittelrhein

Feuerwein & Zoll

Region & Geschichte

Am Mittelrhein wächst Wein, seit die Römer den Fluss zur Grenze machten. Bei Boppard bauten sie im vierten Jahrhundert das Kastell Baudobriga, einen Wachtturm am Rheinlimes, und mit den Soldaten kamen die ersten Reben an die Hänge. 588 beschrieb der Dichter Venantius Fortunatus Weinberge bei Andernach. Das ist der älteste schriftliche Beleg für Wein am Mittelrhein.

Jahrhunderte später verdichten sich die Spuren. 643 wird Boppard erstmals urkundlich erwähnt, 966 taucht Oberwesel auf, 1019 folgt Bacharach. Keiner dieser Orte war zufällig gewählt: Der Schiefer fällt hier steil zum Fluss ab, und die Sonne trifft ganztägig auf die Reben. Bacharach wuchs im dreizehnten Jahrhundert zum wichtigsten Weinumschlagplatz zwischen Mainz und Köln heran, weil Schiffe dort auf größere Kölner Schiffe umluden, um das gefährliche Binger Loch zu umgehen.

Mit dem Handel kam der Ruhm einer Spezialität: der Feuerwein. Ausgelesene, auf Stroh angetrocknete Trauben gärten in abgedichteten Kammern über Holzglut, bis der Most brodelte wie kochendes Wasser. Das Ergebnis war süß, stark und binnen weniger Tage trinkfertig, gefragt bis nach Rom. Wer Handel trieb, zahlte Zoll. Bei Kaub errichteten die Pfalzgrafen mitten im Strom die Burg Pfalzgrafenstein, die bis heute auf einer Rheininsel steht.

Das änderte sich, als englische und französische Dichter den Rhein für sich entdeckten. Lord Byron schwärmte 1816 in Versen vom Fluss, Victor Hugo folgte 1842 mit einem ganzen Reisebuch. Clemens Brentano erfand 1801 die Sagengestalt der Loreley, die singend Schiffer in den Tod lockt, und Heinrich Heine machte sie 1824 mit einem einzigen Gedicht weltberühmt. Ab 1827 fuhren Dampfschiffe zwischen Köln und Mainz, und bald kamen Zehntausende Reisende, um das zu sehen: Burgen, Schiefer, Reben.

Der Preis dieser Popularität kam erst später. Steillagen lassen sich nicht mit Maschinen bewirtschaften. Als im vergangenen Jahrhundert Arbeitskräfte in die Städte abwanderten, gaben viele Winzer ihre Terrassen auf. Ganze Hänge verwilderten. 2002 erkannte die UNESCO das Obere Mittelrheintal zwischen Bingen und Koblenz als Welterbe an, für die ganze Kulturlandschaft, den Wein eingeschlossen. Heute kämpfen wieder mehr Betriebe darum, die steilsten Lagen zu erhalten.

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