
Römer, Kurfürst, Kloster
Region & Geschichte
Zwischen Piesport und Ferres liegt eine der größten römischen Kelteranlagen nördlich der Alpen, in den Achtzigerjahren ausgegraben und bis heute zu besichtigen. Sechs Becken, ein Betrieb aus dem vierten Jahrhundert. Bis zu 60.000 Liter Wein wurden hier in einer einzigen Saison gepresst. Als der Trierer Dichter Ausonius um das Jahr 371 sein Gedicht Mosella verfasste, beschrieb er genau diese Hänge — grüne Reben, die sich im Wasser spiegeln, und Winzer, die von den Booten aus zu ihren Bergen hinaufriefen.
Nach den Römern kamen die Klöster. Schon 1083 sind Weinberge des Trierer Domstifts auf dem Petrisberg belegt. Über Jahrhunderte bauten Mönche und der Erzbischof selbst die Steillagen weiter aus. Bis ins sechzehnte Jahrhundert durfte der Kurfürst als Erster ernten, zwei Tage vor allen anderen. Ein Vorrecht, das zeigt, wie sehr Wein hier Macht bedeutete, mehr als bloßes Getränk.
Den größten Einschnitt setzte ein Mann, der gar kein Winzer war. Clemens Wenzeslaus von Sachsen, letzter Kurfürst und Erzbischof von Trier, verfügte am 30. Oktober 1787: Minderwertige Reben sollten binnen sieben Jahren weichen, ersetzt durch so viel Riesling wie möglich. Die Mosel wurde daraufhin zum größten zusammenhängenden Rieslinganbaugebiet der Welt, und das ist sie bis heute geblieben.
Um Bernkastel rankt sich eine andere Geschichte, die sich hartnäckig hält, obwohl sie erfunden ist. Angeblich soll ein todkranker Kurfürst im vierzehnten Jahrhundert durch einen Schluck Bernkasteler Wein geheilt worden sein, weshalb die Lage bis heute Doctor heißt. Belegt ist davon nichts. Die erste Urkunde zum Namen stammt von 1677, als ein Geistlicher mit akademischem Titel den Weinberg erbte — nüchterner, aber wahr.
1868 vermaßen preußische Beamte jede Parzelle für die Steuer und ordneten sie nach Ertrag und Bodenwert. Diese Karten wurden später zur Grundlage, nach der der VDP seit 2002 seine besten Lagen auszeichnet. Amtlich heißt das Gebiet erst seit 2007 nur noch Mosel; davor stand auf jedem Etikett umständlich Mosel-Saar-Ruwer.
Die Steillagen kosten bis heute Kraft, die sich kaum noch rechnet. Am Calmont bei Bremm, dem steilsten Weinberg Europas, braucht ein Hektar bis zu 1.800 Arbeitsstunden im Jahr. Seit den Neunzigern hilft eine Monorackbahn beim Transport. Nur rund vierzehn der zweiundzwanzig Hektar dort werden überhaupt noch bewirtschaftet — der Rest ist selbst für Handarbeit zu steil.