
Terrassen & Prädikat
Herstellung
Steile Hänge wie die Kupfergrube bei Schlossböckelheim lassen sich nicht einfach bepflanzen. Nach der Aufgabe des Kupferbergwerks 1901 brauchte es Jahrzehnte harter Handarbeit, um aus dem zerklüfteten Gelände Terrassen zu formen. Auf ihnen kann bis heute kein Traktor fahren. Fast alles wird dort von Hand gemacht, vom Rebschnitt bis zur Lese, weil es keine Alternative gibt.
Geerntet wird meist in mehreren Durchgängen. Wer nur einmal durch die Zeilen geht, verpasst entweder die knackigen, säurebetonten Trauben für den trockenen Kabinett oder die überreifen, rosinierten Beeren für eine Auslese. Beides hängt oft an derselben Rebe, nur Wochen auseinander, und Erfahrung entscheidet, wann welcher Zweig geschnitten wird.
Im Keller bleibt Riesling meist sich selbst überlassen. Die Gärung läuft in Edelstahltanks bei kontrollierter, kühler Temperatur, manchmal ergänzt durch alte große Holzfässer, sogenannte Fuder mit rund tausend Litern Inhalt, die kaum Aroma abgeben und den Wein nur langsam atmen lassen. Kleine neue Barriques, wie man sie aus Bordeaux kennt, sieht man an der Nahe fast nie. Sie würden die feine Frucht des Rieslings unter Vanille und Röstnoten begraben.
Über allem steht das deutsche Prädikatssystem, gemessen in Grad Oechsle, benannt nach dem physikalischen Gewicht des Traubenmostes. Kabinett markiert die niedrigste Stufe, Spätlese und Auslese folgen mit wachsendem Mostgewicht. Eine Trockenbeerenauslese verlangt mindestens 150 Grad. Die 308 Grad der legendären Kupfergrube von 1921 blieben bis heute eine Ausnahme, an der sich jeder Jahrgang seither messen lassen muss.
Parallel dazu füllen viele Top-Lagen heute trockene Weine als Grosses Gewächs ab, von Hand gelesen. Freigegeben werden sie erst im September nach der Ernte, ein volles Jahr später als ein einfacher Kabinett. Zwischen beiden Welten, dem historischen Prädikat mit Restsüße und dem modernen trockenen Spitzenwein entscheidet an der Nahe längst nicht mehr das Mostgewicht allein. Es entscheiden die Lage und der Stil, den der Winzer daraus machen will.