
Schlanke Kelche
Gläser
Ein Glas für Nahe-Riesling braucht vor allem eines: eine enge Öffnung. Die feinen Fruchtnoten nach Pfirsich und Aprikose verflüchtigen sich schnell, und ein zu weiter Kelch lässt sie einfach entweichen, bevor die Nase sie erreicht. Ein schlanker, nach oben verjüngter Kelch dagegen bündelt den Duft. Er lenkt ihn gezielt zur Nasenspitze.
Die Säure bei Rieslingen aus dem Regenschatten von Hunsrück und Soonwald fällt oft kräftig aus. Deshalb lohnt sich ein zweiter Blick auf die Form. Ein zu enger Rand lenkt den Wein direkt an die Zungenspitze, wo Säure am schärfsten wirkt. Etwas Weite im oberen Drittel verteilt den ersten Schluck breiter über die Zunge und mildert den Effekt, ohne den Duft zu verlieren.
Bei der Temperatur unterscheiden sich die Prädikatsstufen deutlich. Ein trockener Kabinett von der Nahe schmeckt bei acht bis zehn Grad am frischesten. Eine Spätlese oder Auslese darf mit zehn bis zwölf Grad etwas wärmer ins Glas, weil sonst die Süße die Säure erschlägt. Zu kalt serviert schmeckt jeder Riesling nach nichts als Säure, egal wie fein die Lage war, aus der er stammt.
Für die ganz seltenen Süßweine, wie sie schon 1921 aus der Kupfergrube kamen, gilt eine eigene Regel. Ein kleines, schlankes Glas reicht völlig, gefüllt mit kaum fünfzig Millilitern, denn eine Trockenbeerenauslese mit über 300 Grad Oechsle ist so konzentriert, dass ein großer Schluck sie erschlagen würde. Man trinkt sie in kleinen Zügen, fast wie einen Likör, und lässt sich Zeit zwischen jedem.