
Römer bis Weinstraße
Region & Geschichte
1981 stießen Archäologen in Ungstein bei Bad Dürkheim auf die Grundmauern einer römischen Villa. Weilberg heißt der Fund. Zu ihr gehörte ein Kelterhaus mit einer Presse, die schon vor fast zweitausend Jahren Trauben zu Most verarbeitete, und die Anlage ist bis heute begehbar. Rom hatte den Rhein gerade zur Grenze gemacht, und mit den Legionen kam der Weinbau über den Fluss in die Pfalz. Er blieb, als die Legionen längst wieder abgezogen waren.
Nach den Römern blieb der Weinbau, auch als sich die Herrschaft über die Pfalz über die Jahrhunderte immer wieder änderte. Grafen, Bischöfe und Klöster hielten Rebflächen, verpachteten sie, stritten um sie. Mit dem Wiener Kongress kam 1816 der nächste Bruch: Die Pfalz fiel an Bayern und wurde zunächst als Rheinkreis verwaltet, später Rheinpfalz genannt. Erst 1993 erhielt das Weinbaugebiet offiziell seinen heutigen, kürzeren Namen.
Ein anderes Ereignis der Pfalz hat mit Wein nur am Rand zu tun. Im Mai 1832 versammelten sich auf dem Hambacher Schloss bei Neustadt bis zu dreißigtausend Menschen. Angemeldet war die Versammlung als harmloses Volksfest, weil politische Kundgebungen unter bayerischer Herrschaft verboten waren. Sie forderten ein geeintes, freies Deutschland. Dabei trugen sie erstmals in großer Zahl die Fahne in Schwarz-Rot-Gold. Das Hambacher Fest gilt seither als Geburtsstunde der deutschen Demokratie, mitten in einer Landschaft, die zu dieser Zeit längst unter bayerischer Flagge Wein anbaute und verkaufte.
Wirtschaftlich hatte die Pfalz da schon eine andere Krise hinter sich. Zwei Rekordernten in Folge, 1934 und 1935, drückten die Preise so tief, dass viele Winzer ihren Wein kaum noch verkauft bekamen. Als Antwort entstand 1935 die Deutsche Weinstraße, Deutschlands erste touristische Ferienstraße überhaupt. Sie führt von Bockenheim im Norden bis zum Deutschen Weintor in Schweigen an der französischen Grenze. Dabei verbindet sie Weindörfer wie Wachenheim, Forst, Deidesheim und Ruppertsberg, die bis heute für die besten Lagen der Mittelhaardt stehen. Parallel dazu bauten Güter wie Bürklin-Wolf, deren Wurzeln bis 1597 zurückreichen, seit dem frühen neunzehnten Jahrhundert den Ruf des Pfälzer Rieslings an europäischen Fürstenhöfen auf.