
Schiefer, Quarzit, Löss
Böden
Grab am Rüdesheimer Berg ein Loch, und du kommst nicht weit. Nach wenigen Spatenstichen steckt das Werkzeug in hartem, blaugrauem Gestein: Taunusquarzit, der harte Kern des Gebirges hinter dem Rheingau. Das Gestein war einmal Sand auf dem Grund eines Meeres, vor rund 410 Millionen Jahren im Devon abgelagert, später zu Quarzit verpresst und bei der Auffaltung des Rheinischen Schiefergebirges aufgerichtet.
Wo er an die Oberfläche kommt, wie am Rüdesheimer Berg Schlossberg, entsteht die steilste Lage im ganzen Rheingau. Dort erreicht die Hangneigung bis zu siebzig Prozent. Mit der Maschine ist der Hang kaum noch zu bewirtschaften. Ein Stück weiter westlich, unter dem Höllenberg von Assmannshausen, wechselt das Gestein zu Phyllit. Das ist ein weicherer, glänzender Tonschiefer aus ähnlich alter Zeit. Er speichert tagsüber Wärme. Nachts gibt er sie wieder ab, ein eingebauter Ofen im Hang.
Genau diese Wärme braucht die spätreifende, kälteempfindliche Rotweinsorte des Rheingaus. Ohne den Schiefer gäbe es in Assmannshausen wahrscheinlich keinen Spätburgunder, sondern Riesling wie überall sonst in der Region.
Rheinabwärts, um Johannisberg, Winkel und Oestrich, verschwindet der Schiefer unter einer ganz anderen Schicht: Löss, feiner Staub, den der Wind während der letzten Eiszeiten über das Land geweht hat. Löss speichert Wasser wie ein Schwamm und liefert der Rebe verlässlich Nährstoffe. Weine von hier wirken deshalb oft voller und runder als die kargen Schieferweine aus dem Westen.
Im Steinberg, dem 1767 von den Zisterziensern ummauerten Weinberg bei Kloster Eberbach, liegt beides fast übereinander. Eine Lössschicht liegt auf verwittertem Schiefer, darunter folgt Kalkmergel. Am östlichen Ende der Region, in Hochheim am Main, dominiert dagegen ein ganz anderer Boden: schwerer, tonig-mergeliger Untergrund. Er gibt dem Hochheimer Riesling eine kräftigere, weniger spitze Säure, einen Stil, für den englische Weinhändler im neunzehnten Jahrhundert sogar ein eigenes Wort erfanden: Hock.
Dünne, steinige Lehmschicht mit Schieferbruch, ausgewaschen und arm an Nährstoffen.
Die Wurzel: Feinwurzeln greifen hier nach jedem Regen zu, sind danach aber schnell wieder auf sich gestellt.