Rebsorten in der Region Rheingau

Riesling & Klebrot

Rebsorten

Drei von vier Rebstöcken im Rheingau tragen dieselbe Sorte. Von den gut 3.100 Hektar Rebfläche trugen 2025 rund 2.355 Hektar Riesling, das sind etwa 75 Prozent der gesamten Fläche, der höchste Anteil unter allen deutschen Anbaugebieten. Der Rest verteilt sich vor allem auf eine einzige andere Sorte.

Diese andere Sorte hat eine eigene Insel mitten im Riesling-Meer. In Assmannshausen, ganz im Westen der Region, wächst seit Jahrhunderten Spätburgunder statt Riesling. Hier nannte man ihn früher Klebrot oder Roten Clevner, nach der klebrig-dunklen Beerenhaut. Eine Urkunde von 1108 erwähnt bereits einen Weinberg am Höllenberg, bis heute dem besten Standort des Dorfes. Über neunzig Prozent der Assmannshausener Rebfläche sind rot. Mit rund 75 zusammenhängenden Hektar ist es die größte geschlossene Spätburgunder-Lage Deutschlands.

Riesling selbst ist eine Spätzünderin. Sie treibt spät aus, blüht spät und reift spät, oft erst im Oktober, wenn andere Sorten längst im Keller sind. Das kostet Zeit, bringt aber Säure, mehr als fast jede andere weiße Rebsorte. Genau diese Säure hält einen Rheingau-Riesling zwanzig, dreißig Jahre lebendig, während andere Weißweine längst müde geworden sind.

Ein kleiner Rest bleibt. Er gehört Sorten, die es ohne den Rheingau so gar nicht gäbe. Im Forschungsinstitut in Geisenheim kreuzte Hermann Müller 1882 zwei Rebsorten und schuf damit den Müller-Thurgau — heute vor allem in anderen Regionen verbreitet, im Rheingau selbst nur noch eine Randnotiz neben Riesling und Spätburgunder.

Warum die Region trotzdem nicht bei einer einzigen Sorte blieb, zeigt der Blick auf die Landkarte. Rheinabwärts, westlich von Rüdesheim, verengt sich das Tal, der Fluss kühlt stärker, und die Hänge werden steiler. Unter diesen Bedingungen reift Spätburgunder, während Riesling eher kämpft. Der Rheingau ist also keine Monokultur aus Zufall, sondern aus Anpassung an das, was jeder einzelne Hang hergibt.

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