Rebsorten in der Region Rheinhessen

Riesling & Silvaner

Rebsorten

Fährt man von Alzey nach Nierstein, wechselt die Sorte fast mit jedem Hügel. Auf den warmen Kalk- und Lössböden im Landesinneren wächst viel Müller-Thurgau und Dornfelder, an den steilen Hängen zum Rhein hin fast nur Riesling. Mit rund 5.400 Hektar ist Riesling die mit Abstand wichtigste Rebsorte Rheinhessens und macht knapp ein Fünftel der gesamten Rebfläche aus — nur die Pfalz baut noch etwas mehr davon an.

Lange war das nicht so. Müller-Thurgau trug jahrzehntelang die Masse der Ernte. Er lieferte den süffigen, unkomplizierten Wein für Liebfraumilch und Konsorten. Zudem steht er bis heute auf fast 3.800 Hektar, schmeckt aber deutlich unauffälliger als Riesling: mild, blumig, mit wenig Säure. Dornfelder, die wichtigste rote Sorte der Region, kam erst in den Siebzigerjahren dazu und deckt inzwischen elf Prozent der Fläche. Er ist dunkel in der Farbe, weich im Tannin, meist jung getrunken.

Eine dritte Sorte hat hier ihre eigentliche Heimat. Franken heimst zwar den Ruhm dafür ein: Silvaner. Dreiundvierzig Prozent der gesamten deutschen Silvaner-Fläche stehen in Rheinhessen, meist auf den tieferen, wasserspeichernden Böden der Wonnegau-Ebene. Der Wein schmeckt zurückhaltend, mit wenig Duft und feiner Erdigkeit, und genau diese Zurückhaltung macht ihn zum idealen Speisebegleiter.

Und dann ist da eine Sorte, die es ohne Rheinhessen gar nicht gäbe. 1916 kreuzte der Rebenzüchter Georg Scheu an der Züchtungsanstalt in Alzey Riesling mit einer zweiten Sorte. Man hielt sie ein knappes Jahrhundert lang für Silvaner, bis eine DNA-Analyse 2012 zeigte, dass es tatsächlich Bukettraube war. Das Ergebnis nannte man nach seinem Züchter: Scheurebe. Sie riecht nach schwarzer Johannisbeere und Grapefruit und steht heute auf etwa 740 Hektar.

In den letzten zwanzig Jahren ist eine vierte Gruppe leise gewachsen: die Burgundersorten — Grauburgunder, Weißburgunder und der rote Spätburgunder — belegen inzwischen gut ein Fünftel der Rebfläche. Viele Winzer suchen dafür kühlere, tiefere Lagen für Spätburgunder und reagieren damit auf den Klimawandel. Wer heute durch Rheinhessen fährt, sieht deshalb weniger Monokultur als noch vor einer Generation: Riesling am Hang, Silvaner in der Ebene, Burgundersorten dazwischen.

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