Region & Geschichte in der Region Saale-Unstrut

Mönche, Reblaus, Wende

Region & Geschichte

Kaiser Otto III. unterschrieb 998 eine Schenkungsurkunde, und darin taucht beiläufig ein Satz über Weinberge an Saale und Unstrut auf — die erste schriftliche Erwähnung von Wein in dieser Region. Das ist belegt, kein Mythos. Sie gilt seitdem als nördlichstes Qualitätsweinanbaugebiet Deutschlands. Das Jahr macht sie über tausend Jahre alt. Wein war hier schon Alltag, als die meisten deutschen Anbaugebiete noch gar nicht existierten.

Den eigentlichen Aufbau übernahmen Mönche. 1137 gründeten Zisterzienser das Kloster Pforta bei Naumburg, und schon zehn Jahre später, 1147, taucht der erste namentlich genannte Weinberg der Region in den Akten auf: der Köppelberg, benannt nach der Kutte der Mönche. Kein Zufall, sondern Strategie. Vor der Reformation gehörten dem Kloster 167 Weinberge mit zusammen 260 Hektar in 62 Dörfern — ein Weinimperium mitten in Mitteldeutschland, verwaltet von Männern, die eigentlich beten sollten.

Im 16. Jahrhundert bedeckten die Reben rund zehntausend Hektar. Dann kam 1887 die Reblaus, und Saale-Unstrut wurde zum ersten amtlich anerkannten Reblausseuchengebiet Deutschlands. Die Laus fraß sich durch die Wurzeln, bis 1919 von den einst zehntausend Hektar noch etwa hundert übrig waren. Ein Absturz ohne Beispiel. Erst als 1923 der Anbau auf reblausresistenten Unterlagen bundesweit erlaubt wurde, konnte der Weinbau überhaupt wieder anfangen.

Auch die DDR machte es nicht leichter. Privatleuten war es verboten, selbst gekelterten Wein zu verkaufen, und die staatlichen Weinbaubetriebe kämpften mit klimatischen Extremen: Der Eiswinter 1986/87 zerstörte vier von zehn Rebstöcken, die Fläche schrumpfte von 480 auf rund 240 Hektar. Fast die Hälfte, in einem einzigen Winter. Dass die Region das überhaupt überstand, lag an Winzern, die trotzdem weitermachten.

Nach 1989 kehrte der Aufschwung zurück, langsam, aber beständig. Heute stehen wieder 868 Hektar Reben an den Hängen von Saale und Unstrut, mehr als je seit der Wende, und die Region trägt ihren Titel mit Stolz: das nördlichste der dreizehn deutschen Qualitätsweinanbaugebiete, auf dem 51. Breitengrad, dort, wo eigentlich kein Wein mehr wachsen sollte.

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