
Weißburgunder & Müller-Thurgau
Rebsorten
Zwei Rebsorten teilen sich heute die Spitze, und das ist eine recht neue Entwicklung. Weißburgunder steht mittlerweile auf 116 Hektar und hat den Müller-Thurgau überholt, der mit 110 Hektar jahrzehntelang die Nummer eins war. Über lange Zeit hieß Saale-Unstrut praktisch Müller-Thurgau-Land.
Der Grund, warum Müller-Thurgau so lange dominierte, ist einfach: Er reift früh, verträgt kurze, kühle Sommer und liefert zuverlässig Ertrag, selbst wenn ein Spätfrost im Mai die Hälfte der Blüten gekostet hat. Zuverlässigkeit schlug hier alles. Genau das war entscheidend in einem Anbaugebiet, das am 51. Breitengrad um jeden reifen Tag kämpft.
Weißburgunder braucht mehr Wärme als Müller-Thurgau. Dass er ihn inzwischen verdrängt hat, zeigt, wie sich das Klima an Saale und Unstrut in den letzten Jahrzehnten verschoben hat. Ein deutliches Signal. Dahinter folgen Riesling mit rund 70 Hektar und Bacchus mit etwa 53 Hektar, dazu Silvaner und die Rarität Kerner — über dreißig Rebsorten insgesamt stehen in den Weinbergen der Region, mehr als in fast jedem anderen deutschen Anbaugebiet.
Rotwein bleibt die Ausnahme. Nur etwa ein Viertel der Fläche trägt rote Trauben, angeführt von Dornfelder mit 49 Hektar, gefolgt von Blauem Portugieser, Zweigelt und Spätburgunder. Das reicht kaum. Für kraftvollen Tannin-Rotwein ist es hier meist zu kühl, also liefern die roten Sorten eher leichte, fruchtbetonte Weine als schwere Lagerweine.
Was alle diese Sorten verbindet, ist die Säure. Die kurze, kühle Vegetationszeit lässt den Trauben wenig Zeit, ihre Säure abzubauen, und deshalb schmeckt selbst eine milde Sorte wie Weißburgunder hier straffer als im Süden. Ein Silvaner aus Freyburg und ein Silvaner aus Franken sind botanisch dieselbe Pflanze und im Glas trotzdem kaum zu verwechseln.