Verkosten in der Region Sachsen

Am Goldriesling entlang

Verkosten

Nimm ein Glas Goldriesling aus dem Elbtal bei Meißen und halte es gegen das Licht. Die Farbe bleibt blass, fast strohgelb mit einem Hauch Grün. Das ist ein Zeichen für die dünne Schale und die frühe Lese, nicht für mangelnde Reife.

Der Name führt in die Irre. Am Duft erkennst du eher Muskat als Riesling, süßlich und blumig, fast wie überreife Trauben, obwohl der Wein selbst meist knochentrocken ausgebaut ist. Schwenke das Glas einmal, und darunter kommt oft ein Hauch Quitte oder gelber Apfel hervor.

Im Mund passiert dann die eigentliche Überraschung. Die süß wirkende Nase trifft auf eine Säure, die seitlich an der Zunge zieht und den Speichel sofort fließen lässt. Genau dieser Bruch zwischen blumigem Duft und straffem Geschmack ist typisch für sächsischen Wein und einer der Gründe, warum die Sorte fast nirgends sonst überlebt hat.

Vergleich das Ganze mit einem Riesling aus derselben Lage, und der Unterschied wird deutlich. Der Riesling bringt eher Zitrus und einen mineralischen, manchmal fast rauchigen Ton. Der Goldriesling dagegen bleibt parfümierter und ist schneller trinkreif. Beide teilen dieselbe messerscharfe Säure, weil beide aus denselben kühlen Nächten kommen.

Am Ende zähl mit, wie lange der Geschmack bleibt. Bei einem sächsischen Wein sind das oft nur wenige Sekunden, nicht weil der Wein schlecht wäre, sondern weil das ganze Anbaugebiet auf Frische statt auf Wucht angelegt ist. Wer Länge wie in einem schweren Südwein erwartet, verkostet hier am eigentlichen Charakter vorbei.

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